FCN: Warum Toth kein Markhiyev-Ersatz ist

Der potenzielle Neuzugang würde dem 1. FC Nürnberg vor allem defensiv weiterhelfen.

1. FC Nürnberg FCN News CLUBFOKUS Transfer Analyse Rajmund Toth
Foto: DO IT NOW Media / ETO FC

Bald-Nationalspieler nach Nürnberg?

Für die kommende Spielzeit hält der 1. FC Nürnberg auch Ausschau nach Verstärkung für das Mittelfeld. Wie die BILD berichtet, soll Rajmund Tóth ein heißer Kandidat für den FCN sein, für den man bereit ist, bis zu einer Million Euro Ablöse zu zahlen. Der 22-jährige Ungar läuft derzeit noch für den Tabellenführer der heimischen Liga Győri ETO FC auf, für den er bereits seit der Jugend spielt.

Defensiver Mittelfeldspieler

Toth ist bei seiner Mannschaft absolut gesetzt – obwohl er zu Saisonbeginn vor allem als Rechtsverteidiger auflief. „Ich wurde notgedrungen auf die rechte Seite versetzt“, macht er im Interview mit der ungarischen Zeitschrift Nemzeti Sport keinen Hehl daraus, dass er lieber im defensiven Mittelfeld spielt.

1. FC Nürnberg FCN News CLUBFOKUS Transfer Analyse Rajmund Toth
Lief in dieser Saison zunächst rechts hinten – und später halbrechts im defensiven Mittelfeld auf. Am stärksten ist er auf der Sechserposition.

Als auf dieser Position vor ein paar Monaten verletzungsbedingt einige Spieler ausfielen, durfte er sich im Zentrum beweisen – und sofort überzeugen. Dennoch half ihm die Zeit als Außenverteidiger weiter, um sein Spiel auf das nächste Level zu heben, gibt er zu. Seine Qualitäten kann er aber vor der Abwehr am besten einbringen.

Defensivstark

Seine größten Stärken hat der 22-Jährige zweifelsfrei im Spiel gegen den Ball. Das zeigen bereits seine Daten sehr eindrucksvoll auf den ersten Blick. Der potenzielle Neu-Nürnberger führt innerhalb seiner Mannschaft die meisten Defensivduelle, fängt die meisten gegnerischen Pässe ab und verzeichnet folgerichtig auch die meisten erfolgreichen Defensivaktionen. Umso beeindruckender ist es, dass Toth bereits in der Vorsaison teamintern zahlreiche Bestwerte in der Defensive aufwies.

Der 1,82 Meter große Rechtsfuß bringt zudem eine gute Athletik und ein hohes Laufvolumen mit, wodurch er in Kombination mit seiner Stärke im direkten Duell als eine Art Staubsauger vor der Abwehr fungieren kann – zuletzt tat er dies in einer Doppelsechs vor einer Viererkette. Dass er auch in Luftduellen passable Fähigkeiten mitbringt, zeigt sich an seiner Erfolgsquote von 54% in dieser Saison.

Gutes Auge

Im Spiel mit Ball sind Toths Zahlen auf den ersten Blick bei weitem nicht so beeindruckend wie gegen den Ball. Gerade mal 77% beträgt seine Passquote in der laufenden Spielzeit. Was der sechsfache U21-Nationalspieler dennoch auch hier mitbringt, ist ein gutes Spielverständnis. Er versteht es sehr gut, sich aus dem Deckungsschatten seines Gegenspielers zu befreien und ist somit immer wieder in unterschiedlichen Räumen anspielbar. Er ist zudem in der Lage, auch mit dem Rücken zum gegnerischen Tor den Ball sauber mit dem ersten Kontakt klatschen zu lassen, wobei ihm seine gute Vororientierung hilft.

1. FC Nürnberg FCN News CLUBFOKUS Transfer Analyse Rajmund Toth

Gleichzeitig ist er aber nicht der Spielertyp, der gegnerische Pressingsituationen regelmäßig im 1-gegen-1 auf engen Räumen auflöst. Zudem sucht er verstärkt die vertikale Lösung. Dass er je nach Rolle aber auch Ruhe in das Spiel bringen kann, zeigt sich unter anderem daran, dass seine Passquote in der Vorsaison noch 83% betrug.

Anderer Spielertyp

Toth ist dennoch ein anderer Spielertyp als beispielsweise Nürnbergs Adam Markhiyev. Tóth ist im Spiel gegen den Ball weiträumiger, mit Ball aber deutlich unspektakulärer. Während der Ungar nur knapp vier Offensivduelle pro 90 Minuten führt, sind es beim Finnen über acht. Gleichzeitig sind bei Toth über 13% seiner Pässe lange Bälle, bei Markhiyev lediglich gute 5%.

Rajmund Toth wäre beim FCN somit nicht zwingend als Konkurrent oder Nachfolger für Adam Markhiyev zu sehen, sondern theoretisch als Ergänzung oder Nebenmann, der ihm den Rücken freihalten könnte. Ähnliches gilt für Javier Fernandez, der zuletzt beim Club ebenfalls im Mittelfeldzentrum auflaufen durfte. Auch wenn eine Anpassung an das neue Land und den Nürnberger Spielstil zweifelsfrei nötig wäre, ist es sicherlich kein Nachteil, dass sein derzeitiger Arbeitgeber ligaweit das Team mit dem meisten Ballbesitzanteil und dem niedrigsten PPDA-Wert ist.

Zunächst hofft Toth aber darauf, bei den kommenden Länderspielen sein Debüt für die ungarische A-Nationalmannschaft feiern zu dürfen. „Ich habe mich riesig gefreut, die Einladung ist eine Ehre“, freut er sich über seine erstmalige Nominierung.