FCN: Warum dieser Transfer (noch) nie richtig passte

Zwischen „sicherlich nicht“ und der Frage nach der Passung zum 1. FC Nürnberg.

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Foto: DO IT NOW Media

Deutliche Unterschiede

Seitdem er für den 1. FC Nürnberg aufläuft, gab er noch nie mehr als zwei Abschlüsse in einem Spiel ab. In acht seiner letzten neun Einsätze blieb der FCN-Stürmer sogar gänzlich ohne Schussversuch. Konträr dazu stehen die Zahlen Adriano Grimaldis aus der Vorsaison, als er noch für den SC Paderborn auflief.

Da war er mit fast vier Abschlüssen pro 90 Minuten noch der Zweitligaspieler mit den zweitmeisten Abschlüssen. Auch der Expected-Goals-Wert des Routiniers reduzierte sich von 0,62 auf 0,2 pro 90 Minuten. Als Resultat dieser Zahlen entsteht die wohl wichtigste – seine Torausbeute. Auch sie ging von 0,58 auf 0,08 pro 90 Minuten in den Keller. Die Faktenlage ist entsprechend klar, sodass nur noch die Frage nach dem „Warum“ bleibt.

Zu wenig Bälle

„Also es liegt sicherlich nicht an Adriano“, schützt FCN-Trainer Miroslav Klose den Angreifer. Stattdessen sieht er die Bälle, die Grimaldi bekommt, dafür verantwortlich: „Sondern eher an den Spielern drumherum, dass sie ihn nicht gefunden haben und weniger Flanken geschlagen haben, als er es aus seiner vorherigen Mannschaft gewohnt war. Das spielt, glaube ich, eine große Rolle.“

Tatsächlich schlug der SCP in der Vorsaison die meisten Flanken der 2. Bundesliga, gab die meisten Abschlüsse per Kopf ab und erzielte die meisten Tore nach Hereingaben. Allesamt Facetten, die für Grimaldi prädestiniert sind. Der Nürnberger Spielstil wich davon vor allem in der Vorsaison stark ab. Der Club schlug die mit Abstand wenigsten Flanken und gab auch die wenigsten Abschlüsse danach ab.

Im Laufe dieser Saison hat sich das etwas geändert. Mehr lange Bälle und auch mehr Hereingaben sind Teil des Nürnberger Spiels. Viele Flanken kommen jedoch von der Grundlinie, um von dort aus flach den Rückraum zu attackieren, was nicht gerade das Spiel des Deutsch-Italieners ist.

Nicht eingespielt

Wenn man einen damals noch 34-Jährigen am Ende einer Transferperiode verpflichtet, sollte man davon ausgehen, dass er als Soforthilfe fungiert – in welcher Rolle auch immer, also egal, ob als Edeljoker oder Stammspieler. Offensichtlich war oder ist der Wechsel Grimaldis im Sommer laut Klose aber auch einer der Gründe, warum es noch nicht so läuft, wie es sich wohl alle Parteien erhofft hätten: „Die Mannschaft, wo er gespielt hat, war natürlich eingespielter. Wenn er hier neu dazukommt, muss man den Spieler erst mal kennenlernen.“

Viele Faktoren

So sieht Nürnbergs Trainer unter dem Strich „viele Faktoren“ als Ursache dafür an, dass der gebürtige Göttinger noch nicht so wie erhofft beim Club funktioniert: „Trotzdem haben wir mit ihm gewisse Sachen besprochen, wo er sich noch verbessern kann, und daran arbeiten wir täglich.“ Dennoch kann man einige Monate später die Entscheidungsgrundlage des Transfers sowie vor allem die Passung zwischen Spielerprofil und Spielstil des Clubs durchaus kritisch hinterfragen.