Gegensätzliche Entwicklung
In der Vorsaison steckte der 1. FC Nürnberg lange in der unteren Tabellenhälfte fest, während der SV Darmstadt 98 in der Rückrunde zwischenzeitlich sogar Tabellenführer war und lange als Aufstiegskandidat galt. Seit dem Ende der vergangenen Spielzeit entwickeln sich beide Vereine allerdings in völlig unterschiedliche Richtungen.
So blieb der Club zwischenzeitlich 14 Pflichtspiele unbesiegt und steht aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz. Der SVD hingegen gewann bereits seine letzten neun Partien der Saison 2025/26 nicht mehr und belegt mit neun Punkten nach zehn Spieltagen derzeit den Relegationsplatz 16.
Fast ein Jahr ohne Auswärtssieg
Besonders auffällig ist dabei Darmstadts Auswärtsschwäche. Während die Lilien zu Hause nur eine ihrer sechs Ligapartien verloren, lautet die ernüchternde Bilanz auf fremdem Rasen: vier Spiele, null Punkte und 1:13 Tore.
Der letzte Darmstädter Auswärtssieg in der 2. Bundesliga datiert vom 8. November 2025 – und liegt damit fast genau ein Jahr zurück.
Umstellung unter Kohfeldt
Zuletzt konnte sich die Mannschaft von Florian Kohfeldt immerhin etwas stabilisieren. In der Liga holte Darmstadt zwei Unentschieden in Folge, im DFB-Pokal gelang beim Bundesligisten SV Elversberg zudem ein überraschender und durchaus glücklicher 0:2-Erfolg.
Das dürfte auch mit der veränderten Ausrichtung zusammenhängen. Mittlerweile verteidigen die Hessen zumeist tief in einer Fünferkette und agieren eher abwartend. Mit durchschnittlich 42 Prozent Ballbesitz unterbietet lediglich der VfL Osnabrück diesen Wert. Auch bei den gespielten Pässen, dem Pressingparameter PPDA und der durchschnittlichen Verteidigungshöhe gehört Darmstadt zu den Schlusslichtern der Liga.
Mit Ball sucht die Kohfeldt-Elf dagegen häufig flache, vertikale Lösungen. Allerdings fehlen im Offensivspiel weiterhin die gewünschten Abläufe. Auch die Abgänge von Isac Lidberg, Fraser Hornby und Kilian Corredor, die in der vergangenen Zweitligasaison zusammen 48 Scorerpunkte sammelten, konnten bislang nicht aufgefangen werden.
Mit neun Treffern erzielten die Lilien die zweitwenigsten Tore der Liga. Auch bei den Expected Goals (Platz 17) und den Strafraumaktionen (Platz 18) besteht erheblicher Verbesserungsbedarf.
FCN als klarer Favorit
Entsprechend dürfte Nürnberg als Favorit in die Partie gehen. „Dass wir ständig Druck drauf haben, das wird für uns entscheidend sein“, kündigte FCN-Trainer Miroslav Klose an, der in der Trainingswoche den Fokus „auf viele offensive Sachen“ legte.
Ein Ansatz könnten Hereingaben sein. Nach diesen kassierten die Darmstädter bereits fünf Gegentore – der zweithöchste Wert der Liga.
Allerdings täuschen die insgesamt 19 Gegentore etwas über die defensive Stabilität hinweg. Gemessen an den zugelassenen Expected Goals von 14,5 liegt Darmstadt immerhin auf dem sechsten Platz und damit deutlich vor dem Club.
Interessant wird deshalb auch, welchen Matchplan Kohfeldt wählt. Der Darmstädter Trainer gilt als variabel und passt seine Herangehensweise häufig an den Gegner an. So könnte er sich an den jüngsten Nürnberger Gegnern orientieren, die dem FCN mit hohem Pressing und Bällen in die Tiefe Probleme bereiteten.
Das würde allerdings zumindest gegen den Ball eine Abkehr von der zuletzt eher abwartenden Ausrichtung bedeuten, bei der Darmstadt häufig tief im 5-3-2 verteidigte.
Unabhängig davon wird Nürnberg bei Standardsituationen auf der Hut sein müssen, da die Lilien über viel Körpergröße und Physis verfügen.
Mit einem Heimsieg könnte sich der Club weiter in der Spitzengruppe festsetzen und die gegensätzliche Entwicklung beider Vereine unterstreichen. Saisonübergreifend holte die Klose-Elf in den vergangenen 19 Zweitligaspielen schließlich 37 Punkte – Darmstadt dagegen lediglich 13.


