Andere Lage
Wenn der 1. FC Nürnberg am Samstag bei Holstein Kiel gastiert, ist der Tabellenführer beim Vorletzten der 2. Bundesliga zu Gast. Während dem FCN ein makelloser Start gelang, warten die Störche noch auf ihren ersten Saisonsieg. Nach zwei Remis zum Auftakt konnte man sich zwar zunächst beim TSV 1860 München im DFB-Pokal durchsetzen, verlor aber das richtungsweisende Spiel beim 1. FC Magdeburg mit 0:2. Der Druck liegt damit sicherlich eher auf Kieler Seite.
Anders erwartet
Ob der FCN das Rückspiel der Vorsaison als Vorlage für das Duell nehmen wird? Wohl eher nicht. Im März dieses Jahres stellte Miroslav Klose Mohamed Ali Zoma in den Sturm, dahinter agierte Julian Justvan als eine Art Shadow Striker. Die äußeren Positionen im Mittelfeld übernahmen Rabby Nzingoula und Rafael Lubach. Der FCN wollte also seine schnellsten Spieler und besten Tiefenläufer auf den Platz bringen.
Das Resultat waren weniger als 40 Prozent Ballbesitz, eine Passquote von knapp über 70 Prozent und halb so viele Abschlüsse wie der Gegner. Dennoch gewann man am Ende mit 2:3.
Nun ist davon auszugehen, dass der Club seine Spielweise der letzten Wochen beibehält: Mann-gegen-Mann in der Defensive und möglichst viel Kontrolle mit Ball. Das dürfte gegen die Mannschaft von Tim Walter aber gar nicht so einfach werden.
Dominant
Die Störche sind bis hierhin immerhin die Mannschaft, die den höchsten Ballbesitzanteil der Liga verzeichnet (58 Prozent). „Grundsätzlich bin ich mit der Leistung der Mannschaft einfach zufrieden. Wir spielen uns vorne genug Torchancen heraus und verteidigen im Großen und Ganzen sehr geschlossen“, ist Walter mit der Spielweise nicht unzufrieden, sieht lediglich bei der Konsequenz in beiden Strafräumen Luft nach oben.
Aus dem nominellen 4-3-3 heraus ist man immer auf der Suche nach fußballerischen Lösungen. Einrückende Außenverteidiger, Flügelüberladungen und viel Andribbeln sowie Spielen und Gehen sind klare Indizien der Walter-Handschrift. Was im Ansatz oft attraktiv aussieht, war im letzten Drittel bislang aber noch zu oft zu unpräzise – und in der Defensive aufgrund falscher Entscheidungen hin und wieder dann doch schlecht verteidigt.
Zwar ließ man bislang mit 35 gegnerischen Abschlüssen die wenigsten zu, kassierte aber in allen drei Ligaspielen zwei Gegentreffer.
Effizienz gefragt
Der FCN wird definitiv seine Gelegenheiten bekommen. Kiel wird wahrscheinlich hoch pressen – und auch nach Ballverlust viele Spieler vor dem Ball haben. Das könnte Räume in der Tiefe für den Club ergeben, der dann die Effizienz der Vorwochen benötigen wird.
Durchschnittlich benötigt die Elf von Miroslav Klose bis hierhin lediglich vier Abschlüsse für ein Tor. Den Expected-Goals-Wert der Bundesliga (6,5 xG) konnte man schon um 4,5 Tore überbieten – jeweils Ligabestwert in puncto Kaltschnäuzigkeit.
Aufpassen muss der FCN hingegen auf Kiel-Stürmer Phil Harres. Der großgewachsene, physisch starke Angreifer war mit zwei Toren und zwei Vorlagen an allen vier Ligatreffern seiner Mannschaft direkt beteiligt – und traf auch im Pokal. Vor allem nach Flanken, nach denen Holstein drei der vier Treffer erzielte, gilt es, den 24-Jährigen in der Boxverteidigung möglichst zu kontrollieren.
Klose-Rekord
So darf man sich auf ein Spiel freuen, das beide Teams aktiv und ziemlich offensiv angehen dürften. Da grundsätzlich beide Mannschaften über klare offensive Abläufe verfügen, sollte es keine langweilige Partie werden.
Gleichzeitig könnte der 1. FC Nürnberg mit dem nächsten Erfolg auch einen neuen Rekord unter Klose aufstellen. Noch nie zuvor gewann der Club unter dem Weltmeister in der 2. Bundesliga viermal in Folge.
Der 48-Jährige warnt allerdings vor einer „ganz, ganz gefährlichen Mannschaft“ auf der anderen Seite.


