Wie erwartet
Zum Zweitligaauftakt empfing der 1. FC Nürnberg im heimischen Max-Morlock-Stadion die SG Dynamo Dresden. FCN-Trainer Miroslav Klose vertraute jener Elf, die bereits im Vorfeld zu erwarten war.
Insgesamt bot der Club über weite Phasen eine gute Leistung beim 3:0-Heimerfolg. Dennoch begann die Partie mit einem Schreckmoment. Nach einer Dresdner Anstoßvariante hatten die Gäste bereits nach wenigen Sekunden die Führung auf dem Fuß. Stattdessen war es aber der FCN, der durch Mohamed Ali Zoma in der 9. Minute in Führung ging. Dass die Führung mit dem ersten eigenen Abschluss fiel, zeigt auch, dass das Quäntchen Spielglück auf Seiten der Franken war.
Gute Verbindungen
Dass die durchschnittliche Nürnberger Passlänge um etwa zwei Meter pro Pass kürzer war als die des Gegners, zeigte sich beim 1:0 ebenfalls. Am linken Flügel machte Zoma eine Auftaktbewegung, erhielt den Ball und gab ihn an den eng daneben positionierten Finn Ole Becker ab. Der setzte sich gut durch und seinen Steckpass vollendete Zoma zur Führung.
Auch abgesehen davon hatte der Club im Anschluss viele gute Aktionen mit dem Ball. Vor allem Becker verstand es immer wieder, sich klug in den Zwischenräumen zu positionieren. Dresden bekam das Nürnberger Zentrum hingegen nicht immer geschlossen, sodass der FCN hier einen freien Mann finden konnte.
Dynamo wollte Zoma ursprünglich immer wieder doppeln, um 1-gegen-1-Situationen zu verhindern. Da Becker durch seine Positionierung jedoch oftmals Dresdens halbrechten Sechser band, war Zoma dann doch häufiger isoliert. Aber auch wenn das nicht gelang, fand er an diesem Tag genügend Möglichkeiten, sich zur Not im 1-gegen-2 durchzusetzen. Am Ende gewann er 75 Prozent seiner Dribblings.
Klarer Dynamo-Plan
Gleichzeitig verteidigte der Club über das gesamte Feld im Mann-gegen-Mann. Lediglich den gegnerischen Torhüter ließ man im Spielaufbau frei. Das wusste auch Dynamo im Vorfeld, sodass die Dresdner diese Mannorientierungen auf gewisse Art und Weise manipulieren wollten.
Immer wieder arbeiteten sie mit gegengleichen Bewegungen. So kam beispielsweise ein Offensivspieler kurz, sollte seinen Gegenspieler mit herausziehen und dahinter lief ein Mitspieler in die Tiefe. Auch in der Horizontalen gab es entsprechende Wechselbewegungen, um Freiräume zu öffnen.
Dadurch entstanden durchaus einige im Ansatz brenzlige Situationen, die die Franken überstehen mussten. Schließlich stand die Kette sehr hoch und Dynamo konnte immer wieder die Tiefe attackieren. Der Club verstand es aber nach und nach besser, sich im richtigen Timing abzusetzen und frühzeitig zu klären. Ansonsten verteidigte Nürnberg aber vieles auch im letzten Moment noch weg.
Spielstärker
Neben der „Handlungsschnelligkeit“, die Gäste-Trainer Thomas Stamm klar auf Seiten der Franken sah, agierte die Klose-Elf auch spielstärker. Dresden nutzte die Gegenbewegungen etwas zu häufig und spielte entsprechend viele lange Bälle. Beim FCN waren es vor der Pause anteilig unter zehn Prozent lange Bälle, bei der SGD über 14 Prozent. Dass davon nur 41 Prozent beim Mitspieler ankamen, unterstreicht, dass dies nicht wirklich zum Ziel führte.
Stattdessen war es abermals Zoma, der kurz vor der Pause zum 2:0 erhöhte. Nach einem Freistoß von Julian Justvan verwertete er den Abschluss von Tim Janisch im Nachschuss – zu einem Zeitpunkt, der es ebenfalls gut mit dem Club meinte.
Aktivere Gäste
Nach der Pause musste Dresden mehr ins Risiko gehen – und tat das auch. Die Gäste änderten ihre Struktur im Anlaufen und attackierten die erste Aufbaureihe der Franken mit mehr Personal. Dahinter entstanden durchaus größere Räume, die der FCN zunächst allerdings nicht fand.
Stattdessen hatte Dynamo mehr den Ball, war aktiver und verlagerte das Spiel stärker in die Nürnberger Hälfte. Beim Club gab es hin und wieder Abstimmungsprobleme zwischen dem Verteidigen aus dem 4-4-2-Block heraus und dem Übergang von dort ins Mann-gegen-Mann. Dadurch kam Dynamo immer wieder vor die FCN-Viererkette, verpasste es aber, klare Chancen zu generieren.
Positiver Auftakt
Spätestens bei der Entstehung des 3:0 blitzte die Nürnberger Qualität aber wieder rechtzeitig auf. Einen Freistoß von Adam Markhiyev pflückte Becker herunter, setzte mittels eines Tunnels den eingewechselten Rafael Lubach in Szene und dieser war nur durch ein Foul zu stoppen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Zoma per Nachschuss zum Endstand, nachdem anschließend nur noch wenig passierte.
So kann man auf Seiten des FCN von einem rundum gelungenen Start in die neue Saison sprechen. Neben dem Ergebnis sind sicherlich auch viele individuelle Leistungen ein Grund dafür. Nicht nur Matchwinner Zoma wusste dabei zu überzeugen. Vor allem das Nürnberger Mittelfeld zeigte eine für die Liga bemerkenswerte Ballsicherheit. Ähnliches gilt für Innenverteidiger Fynn Otto, der viele Aktionen bereits frühzeitig sehenswert vorbereitete.
„Wir waren viel in Bewegung, haben gute Lösungen gefunden. Als Trainer ist es schön zu sehen, dass die Mannschaft auf dem Platz viele richtige Entscheidungen getroffen hat“, war entsprechend auch Klose zufrieden – und dürfte mit Zuversicht auf das am kommenden Samstag stattfindende Frankenderby blicken.


