FCN-Transferfazit: Hat Chatzialexiou einen Aufstiegskader gebaut?

Der 1. FC Nürnberg geht mit einem vielseitigen Kader und großen Ambitionen in die Spielzeit.

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Foto: DO IT NOW Media

Wichtiger als ein Neuzugang

Die vielleicht wichtigste Personalie der Sommertransferperiode dürfte beim 1. FC Nürnberg weder ein Ab- noch ein Zugang sein. Vielmehr ist es der FCN-Verbleib von Mohamed Ali Zoma trotz des großen Interesses an seiner Person. „In der Vergangenheit musste ich immer verkaufen. Jetzt bin ich ganz froh, mal nein sagen zu können“, erklärt Sportvorstand Joti Chatzialexiou via Sky – und untermauert dadurch auch die Ansprüche des Clubs, in dieser Spielzeit oben angreifen zu wollen.

Top-Form

Eine Position, die dies bedenkenlos hergibt, ist die des Torwarts. Auch Kapitän Jan Reichert bleibt dem FCN schließlich treu. In den ersten Wochen der neuen Saison präsentierte er sich in blendender Verfassung und konnte auch aus Datensicht bereits mehrere Gegentreffer mit seinen Paraden verhindern. Dahinter ist man mit Robin Lisewski, der in der Vorsaison bei der U23 glänzen konnte, ebenfalls stark besetzt. Routinier Christian Mathenia rundet das Torwart-Trio ab.

Fragezeichen

Nachdem der FCN sowohl seine beiden Stammaußenverteidiger als auch seine beiden Innenverteidiger im Sommer verlor, ist die Viererkette sicherlich der Mannschaftsteil mit den größten Fragezeichen. Für das Abwehrzentrum verpflichtete der Club Fynn Otto und Alexios Kalogeropoulos. Spielerisch gelang im Vergleich zum Duo aus Fabio Gruber und Luka Lochoshvili vor allem dank Otto sogar ein Upgrade. In der Abstimmung, in der Tiefensicherung und auch bei den Positionierungen im Spielaufbau gibt es – verständlicherweise – aber noch Luft nach oben.

Mit der Leihe von Mikayil Faye, die den Club laut transfermarkt.de eine Gebühr von 200.000 Euro kostet, holte man einen weiteren Innenverteidiger dazu. Beim ehemaligen Barcelona-Spieler bleibt die Frage, wie schnell er körperlich auf 100 Prozent kommt und sich in der Folge an den deutschen Fußball adaptieren kann. Styopa Mkrtchyan, den der FCN im Winter als eine Art Vorgriff für die Position holte, fehlt verletzt. Dass man sich aber jederzeit auch auf Kristian Mandic verlassen kann, bewies der 18-Jährige eindrucksvoll am Samstagabend bei seinem Zweitligadebüt.

Eigengewächse

Mit Giannis Masouras und Andrea Ceresoli verpflichtete Chatzialexiou zwei Außenverteidiger aus dem Ausland. Bis hierhin standen aber die beiden Nürnberger Eigengewächse Eric Porstner und Tim Janisch in jeder Partie von Beginn an auf dem Feld. Beide hatten schon Spiele, in denen sie gut performt haben – aber auch welche, in denen sie etwa in der Verteidigung des eigenen Rückens noch Potenzial zeigten. Wie gut sich die beiden entwickeln und inwieweit die beiden Neuzugänge je nach Form vielleicht sogar eine Verbesserung darstellen, dürfte maßgeblich für die Bewertung dieser Position verantwortlich sein. Als Ersatz für beide Seiten steht mit Tobias Heß ein weiterer junger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bereit.

Prunkstück

Das Mittelfeld der Franken war in der Vorsaison die große Stärke – und ist es noch immer. Obwohl es dahingehend Bemühungen gab, verpflichtete der Tabellenführer der 2. Bundesliga keinen klassischen Abräumer und Sechser für das Zentrum. Den Job vor der Abwehr teilen sich Adam Markhiyev und Javier Fernandez. Fußballerisch dürfte sich innerhalb der Liga kaum etwas Besseres finden lassen. Zusammen sind sie maßgeblich für den Rhythmus der Mannschaft von Miroslav Klose verantwortlich, sind unter Druck jederzeit anspielbar und initiieren viele Angriffe. Gemeinsam konnten sie auch gegen den Ball zuletzt einen ordentlichen Job machen, wenngleich das Spiel mit Ball mehr ihren Stärken entspricht.

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Ist das Herzstück im Nürnberger Mittelfeld: Adam Markhiyev. // Foto: DO IT NOW Media

Auf externe Neuzugänge verzichtete man hier. Allerdings konnte das Eigengewächs Marc Kornwachs Barjuan in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machen, sodass er und Rafael Lubach als Backups bereitstehen.

Variabel

Für die Offensive verpflichtete der FCN Sigurd Haugen, Can Moustfa, William Bøving und Rayan Ghrieb. Auch wenn zunächst keiner von ihnen in der Startelf steht, erweitern sie die Variabilität der Franken. Haugen bringt für den Sturm Tempo und Tiefgang mit, Moustfa und Ghrieb bringen 1-gegen-1-Qualitäten am Flügel mit und Bøving neben seiner Spielstärke und Intensität eine hohe Flexibilität.

Bereits die vermeintliche Stammoffensive ergänzt sich gut. Mit Piet Scobel hat man einen physischen Stürmer, der auch mit langen Bällen und Hereingaben gefüttert werden kann. Dahinter ist Finn Ole Becker als Zehner immer wieder in anderen Räumen unterwegs und passt mit seinem sehr guten ersten Kontakt sowie seiner Übersicht perfekt in diese Rolle. Während rechts Julian Justvan gerne den Halbraum besetzt, ist Zoma über links dahingehend flexibel – und ist mit seinem Dribbling sowie seiner Explosivität sicherlich so nicht zu ersetzen. Dahinter steht zudem der erfahrene Adriano Grimaldi für den Angriff bereit.

Gut besetzt

Auch wenn man sich vermutlich noch den ein oder anderen Abgang gewünscht hätte, kann man alles in allem beim FCN nicht nur von einer guten Transferperiode, sondern vor allem von einer stark besetzten Mannschaft sprechen. Die verbleibenden Fragezeichen dürften vor allem in der Viererkette anzusiedeln sein. Im Mittelfeld sowie im Angriff verfügt man über unterschiedliche Qualitäten, die es für den Gegner maximal schwer machen, den Club über 90 Minuten auszuschalten. Dass man sicherlich dennoch ein Stück weit abhängig von Spielern wie Zoma, dessen Profil man so nicht 1:1 ersetzen kann, ist in der 2. Bundesliga absolut normal. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison bringt der 1. FC Nürnberg aber – nicht nur aufgrund der ersten Spiele – definitiv mit. Vor allem, da neben der fußballerischen Qualität auch die Teamchemie zu stimmen scheint.