FCN: „Ständig die falschen Entscheidungen“ – und trotzdem auf einem guten Weg?

Der 1. FC Nürnberg kommt in Kiel zu einem 2:2 – ist aber besser als beim Auswärtssieg in der Vorsaison.

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Foto: DO IT NOW Media

Erwartbar aktiv

Nach dem perfekten Saisonstart wollte der 1. FC Nürnberg diesen zu Gast bei Holstein Kiel weiter ausbauen. Beim FCN setzte Trainer Miroslav Klose lediglich auf eine Änderung: Fynn Otto kehrte nach auskurierten Rückenproblemen für Kristian Mandic zurück in die Startelf. Neuzugang William Boving stand erstmals im Kader.

Schon im Vorfeld durfte man davon ausgehen, dass beide Teams die Partie sehr aktiv angehen würden. Denn nicht nur Klose, sondern auch sein Gegenüber Tim Walter ist für eine mutige und möglichst dominante Spielweise bekannt.

Guter Start

Nach nicht einmal einer Minute hätten die Franken bereits in Führung gehen können. Kiel wollte hoch pressen – und aus dem nominellen 4-1-4-1 gegen den Ball sollte einer der beiden Achter immer wieder einen Nürnberger Innenverteidiger attackieren. Der FCN verstand es aber zunächst sehr gut, sich dahinter aus dem Deckungsschatten zu lösen und das Pressing entsprechend zu überspielen.

Direkt zu Beginn konnte sich Nürnberg auf der linken Seite lösen und nahm anschließend rechts über Julian Justvan und Tim Janisch Tempo auf. Die Hereingabe konnte Mohamed Ali Zoma aber nicht nutzen.

Auch in den darauffolgenden Minuten war der FCN sehr ballsicher und die technisch deutlich bessere Mannschaft. Kiel hingegen hatte zunächst keine nennenswerten Aktionen – außer bei ruhenden Bällen. Aus dem Spiel heraus konnte man sich gegen das Nürnberger Mann-gegen-Mann-Pressing kaum befreien und keinen freien Mann abgesehen vom eigenen Torhüter kreieren.

Die Balleroberung Eric Porstners in der 20. Minute war dafür vielleicht sinnbildlich. Kiel wollte flach eröffnen, der FCN-Linksverteidiger war aber sehr eng an seinem Gegenspieler, attackierte ihn nach dem Abspiel im richtigen Timing und eroberte den Ball. Finn Ole Beckers Chipversuch über den Torhüter konnte dieser gerade so noch über das Tor lenken.

Spiel kippt

Nach etwa 25 Minuten kippte das Spiel aber etwas. Beim Club schlichen sich einige unnötige Ballverluste ein – beispielsweise durch die ansonsten so ballsicheren Javier Fernandez, Fynn Otto oder sogar Torwart Jan Reichert. So konnte sich Kiel auch das ein oder andere Mal in der FCN-Hälfte festsetzen.

Viele Positionsrochaden waren nun zu sehen. Beim Club musste beispielsweise Becker seinen Gegenspieler bis mit an den eigenen Sechzehner verfolgen, während Otto zumindest situativ und kurzzeitig gegen den Ball den gefühlten Stürmer geben musste.

Die Störche suchten zudem oft den Weg über die Flügel im letzten Drittel. Einige Flugbälle und Steckpässe in den Rücken der Nürnberger Außenverteidiger schienen dabei Teil des Matchplans zu sein.

Gerechtes Ergebnis

In der 41. Minute ging der FCN, auch wenn es sich in dieser Phase nicht angedeutet hatte, in Führung. Adam Markhiyev knüpfte dabei an die Vorwoche an, als er gegen Arminia Bielefeld doppelt aus der Distanz traf. Nach Ablage von Fernandez traf er sehenswert.

Umso bitterer, dass es nicht zur Pausenführung reichte. Nach einem diskutablen Freistoßpfiff war es erneut ein Standard, der für Gefahr sorgte. Dabei zeigte Kiels Stürmer Phil Harres seine individuelle Qualität und traf per Kopf zum Ausgleich.

Gute Reaktion

Gespannt durfte man sein, wie der Club auf den Rückschlag reagieren würde. Umso mehr, da der nächste Rückschlag kurz nach der Halbzeit folgte. Adrian Kapralik, mit dem die Klose-Elf bereits zuvor ihre Probleme hatte, traf zum 2:1 für seine Farben.

Vorausgegangen war ein Nürnberger Ballverlust im Spiel nach vorne, den man dennoch deutlich besser hätte verteidigen können. Otto bot Kapralik die Innenbahn an, die dieser für seinen Abschluss nutzte.

Die Nürnberger Antwort konnte sich aber sehen lassen. Lediglich sechs Minuten später konnte Piet Scobel ausgleichen. Einen langen Ball im Kieler Spielaufbau konnte der FCN mehrfach nach vorne klären, die Defensive der Störche hatte die Tiefe nicht im Blick und Scobel konnte freistehend zum 2:2 verwerten.

FCN am Drücker

„Ich glaube, am Ende wäre durchaus noch ein 3:2 drin gewesen“, bilanzierte Scobel danach bei Sky. Tatsächlich war es vor allem seine Mannschaft, die das Geschehen nach dem Ausgleich kontrollierte.

Kiel hatte relativ große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen. Der FCN hatte dadurch viele Räume nach der Balleroberung und kam auch durch Tiefenläufe aus dem Halbfeld immer wieder in den Rücken des Gegners. So entstand auch eine der größten Chancen: Zoma lief in die Tiefe und erhielt den Ball, seine Hereingabe konnte der Stürmer aber nicht verwerten. „Den muss ich natürlich machen, das ärgert mich“, monierte er selbst.

Dass der FCN das Spiel nach der Pause grundsätzlich bestimmte, zeigen auch einige Zahlen. Doppelt so viele Pässe (42) brachte man nach der Halbzeit im letzten Drittel an, vor der Pause waren es nur 21. Auch die Anzahl der Strafraumaktionen veränderte sich massiv zugunsten der Franken. 18:5 zugunsten Kiels betrug das Verhältnis in den ersten 45 Minuten, 19:8 zugunsten Nürnbergs in den zweiten 45 Minuten.

Frage der Entscheidungen

Auch Holstein hatte im Ansatz sicherlich Aktionen, aus denen noch mehr Torgefahr hätte entstehen können. „Wir haben ständig die falschen Entscheidungen getroffen“, sah Walter als Ursache dafür an. Mindestens genauso sehr kann man dies aber auch über den FCN sagen.

Vor allem die Einwechselspieler rund um Rayan Ghrieb hatten das ein oder andere Mal mit der Entscheidungsfindung zu kämpfen und ließen dadurch aussichtsreiche Umschaltsituationen ungenutzt. Auch Giannis Masouras konnte beispielsweise nicht an die Leistung Janischs, der für ihn raus musste, anknüpfen.

Boving vergab die letzte Chance, als der Club in der Nachspielzeit in Überzahl auf die Kieler Restverteidigung zulief. Insgesamt kann man aus Nürnberger Sicht dennoch von einem ordentlichen, wenn auch etwas wilden Spiel sprechen. Noch in der Vorsaison gewann man zwar mit 3:2 in Kiel – diesmal macht aber vor allem die Art und Weise des Auftritts mehr Hoffnung.