Nicht vergleichbar
Der Saisonstart verlief für den 1. FC Nürnberg in diesem Jahr deutlich besser als in der Vorsaison. Damals bestritt der FCN sein erstes DFB-Pokalspiel, ohne zuvor einen Punkt in der 2. Bundesliga geholt zu haben. Nun steht der Club mit sechs Zählern an der Tabellenspitze. Nicht nur Ausbeute und Stimmungslage, auch die Spielweise der Franken ist mit jener aus der Saison 2025/26 kaum vergleichbar.
Damals schied die Mannschaft von Miroslav Klose in Illertissen frühzeitig im Elfmeterschießen aus. Das soll nun tunlichst verhindert werden. Allerdings ist auch der Gegner Viktoria Köln nicht mit dem der vergangenen Saison vergleichbar.
Aktiver Gegner
„Ich habe sie angeschaut und ihr Fußball kann sich wirklich sehen lassen“, lobt Klose den Drittligisten. Damit ist er nicht der erste Trainer, der lobende Worte für die Kölner findet. Timo Schultz, der in der Vorsaison mit dem VfL Osnabrück in der 3. Liga Meister wurde, schwärmte im Podcast „FROM COACH TO COACH“ ebenfalls von der Spielweise der Viktoria: „Mir gefällt die Art und Weise, wie Viktoria Köln spielt. Sehr dominant, eine sehr klare Struktur im Ballbesitz und mit einer guten Idee, wie man den Ball nach vorne tragen möchte. Sie sind mehr mutig und haben eine klare Handschrift.“
Das zeigt sich auch in den Zahlen. Nach zwei absolvierten Drittligapartien und drei Punkten steht Viktoria bei der Anzahl der gespielten Pässe sowie bei der Passquote jeweils auf Rang zwei – nur der SC Verl liegt in beiden Kategorien davor. Mit sechs Expected Goals kreierte Köln zudem die zweitmeiste Torgefahr der Liga.
Variabilität
Neben der Frage, wie sich die Kölner gegen das Mann-gegen-Mann-Pressing des Clubs behaupten wollen, ist auch ihre eigene Grundordnung nicht eindeutig prgnostizierbar. Unter Trainer Marian Wilhelm wechselte Viktoria bereits mehrfach zwischen Dreier- und Viererkette.
„Wir wollen Nürnberg die ein oder andere Aufgabe stellen, auf die sie sich nicht ganz so leicht vorbereiten können. Das ist in so einem Spiel, glaube ich, wichtig“, kündigt Wilhelm an. Der FCN muss sich somit möglicherweise auch auf eine taktische Überraschung einstellen.
Faktor Zoma
Unabhängig von der eigenen Grundordnung dürfte Köln dem Club allerdings Räume anbieten, die die Franken mit ihrer individuellen Qualität nutzen können. Viktoria wird sicherlich nicht versuchen, 90 Minuten tief zu verteidigen. Grundsätzlich ist man ein Team, das gerne hoch presst und nach vorne verteidigt.
Dadurch kann sich insbesondere Raum hinter der letzten Linie ergeben – und damit eine Situation, für die Mohamed Ali Zoma prädestiniert ist. Ein häufiges Muster, mit dem der SSV Jahn Regensburg am ersten Spieltag beim 5:2-Auswärtssieg in Köln gefährlich wurde, waren schnelle Spielverlagerungen auf die gegenüberliegende Seite in Form von Diagonalbällen. Auch daraus könnte Zoma Profit schlagen.
Spannende Aufgabe
So erwartet den 1. FC Nürnberg insgesamt eine durchaus anspruchsvolle, aber auch interessante Pokalaufgabe. Nicht zuletzt trifft der Club mit Leihspieler Noah Maboulou sowie Taylan Duman und Niklas Jahn auf gleich drei Spieler mit FCN-Vergangenheit.
Vor allem aber dürften die Kölner sportlich nicht wie viele klassische Pokalgegner der ersten Runde auftreten, die sich weit zurückziehen und dem Favoriten das Spiel überlassen. Aufgrund der individuellen Qualität und der zuletzt gut funktionierenden Abläufe geht der Club dennoch als klarer Favorit in die Partie.


