FCN bedient sich erneut in Verl – Zufall oder System?

Was hinter der auffälligen Transfer-Verbindung des 1. FC Nürnberg steckt.

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Foto: DO IT NOW Media

Der dritte Verl-Transfer

Es ist bereits der dritte Transfer, den der 1. FC Nürnberg in den vergangenen Monaten vom SC Verl tätigt: Fynn Otto wechselt im Sommer zum FCN. „Fynn hat mit dem SC Verl eine sehr gute Saison in der 3. Liga gespielt und wir freuen uns darauf, nun seine Fähigkeiten bei uns in Nürnberg sehen zu können“, sagt Sportvorstand Joti Chatzialexiou über den spielstarken Innenverteidiger. Bereits zuvor kamen Fabio Gruber und Tom Baack aus Verl – wenngleich beide den Club schon bald wieder verlassen könnten.

Der SC Verl ist sportlich ein kleiner Drittligist ohne große Historie im deutschen Profifußball. Seit 2020 spielt der Klub in der 3. Liga, der größte Erfolg ist das Erreichen des DFB-Pokal-Achtelfinals. Dennoch scheint der Verein aus der 26.000-Einwohner-Stadt für den FCN ein interessantes Profil zu liefern.

Klares Konzept

Was den SC Verl auszeichnet, ist eine klare fußballerische Philosophie. Zudem hat man ein starkes Händchen im Recruiting – sowohl bei Spielern als auch bei Trainern. Mitch Kniat und Alexander Ende, beide zuvor in Verl tätig, arbeiten inzwischen bei Fortuna Düsseldorf bzw. Arminia Bielefeld in der 2. Bundesliga. Der aktuelle Trainer Tobias Strobl gilt sogar als einer der heißesten Aktien auf dem deutschen Trainermarkt.

Fokus auf Daten

Der 1. FC Nürnberg betont selbst, verstärkt datenbasiert zu arbeiten und entsprechend zu handeln. In Verl wird dieser Ansatz jedoch noch konsequenter gelebt. Ein Beispiel beschreibt Strobl im Podcast FROM COACH TO COACH: „Wir haben die ersten vier Spiele nicht gewonnen, drei Unentschieden und dann nach einer 2:0-Führung noch 2:3 verloren. Da hätte es bei dem einen oder anderen Verein schon gebrannt. Dann weiß ich auch nicht, ob man als Trainer 100 Prozent an seiner Idee festhält oder durch die Unruhe aus dem Umfeld etwas über Bord wirft.“

In Verl blieb man ruhig: „Der Chef kam zu mir ins Büro und sagte: cool bleiben, genau so weitermachen. Die Daten passen und mit den Daten werden auch die Ergebnisse kommen.“ Als zentrale Kennzahlen gelten dabei unter anderem Ballbesitz, Pressingintensität (PPDA) und Expected Goals. Wie diese Werte erreicht werden, ist flexibel. So wird in dieser Saison deutlich mannorientierter gepresst als im Vorjahr, mit Ball agiert man variabler und weniger positionsstarr.

Vertrauen in den eigenen Weg

Mit Otto verpflichtet der Club nun einen Spieler, der diese Spielprinzipien aus Verl kennt. Ob Nürnberg in der neuen Saison einen ähnlichen Ansatz verfolgt, bleibt offen. Zwischenzeitlich war in Nürnberg von „Zweitligafußball“ mit mehr Physis und Intensität die Rede.

Freilich unterscheiden sich die Rahmenbedingungen in Nürnberg und Verl deutlich – etwa in Anspruch, Umfeld und Erwartungsdruck. Die Unterschiede in den Daten hinsichtlich Ballbesitz und Pressing sind jedoch mindestens genauso deutlich – obwohl genau diese Bereiche auch beim FCN vor nicht allzu langer Zeit als Steckenpferd definiert wurden. Strobl lobt währenddessen den konstanten Glauben in den eigenen Ansatz: „Wir sind dafür überzeugt, wenn wir das haben, werden wir nachhaltig erfolgreich sein.“ Dennoch scheint der Club durch die Transfers aus Verl zumindest einzelne Elemente dieses Ansatzes ins Frankenland übernehmen zu wollen.