FCN: 3 Tore in 3 Spielen – Wie Klose seinen Mittelstürmer selbst formte

Der 1. FC Nürnberg konnte sich keinen Torgaranten leisten – und baute sich diesen nun selbst?

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Foto: DO IT NOW Media

FCN fehlte ein Mittelstürmer

Es ist ein Thema, das den 1. FC Nürnberg über die gesamte Vorsaison begleitete: das Fehlen eines echten Stürmers. „Ich glaube, was uns wirklich fehlt, ist nochmal neben Momo [Zoma] jemand, der zweistellig trifft. Das brauchst du, um am Ende aufzusteigen“, stellte Joti Chatzialexiou während des letzten Heimspiels gegen Schalke 04 am Sky-Mikrofon fest.

Alle Neuzugänge aus dem letzten Sommer seien „nicht so eingeschlagen, wie wir uns das gewünscht haben“, gestand der Sportvorstand noch nach Saisonende im Mai – kündigte aber gleichzeitig an: „Einen klassischen Stürmer, der eine zweistellige Anzahl an Toren garantiert, können wir uns wahrscheinlich in der Form nicht leisten.“ Tatsächlich folgte bislang lediglich der ablösefreie Transfer von Sigurd Haugen aus der 3. Liga.

Formstarker Scobel: sukzessiver Aufstieg

Insofern stand Miroslav Klose vor der Aufgabe, sich seinen Mittelstürmer gewissermaßen selbst zu formen – was ihm bislang offenbar bestens gelang. Denn bereits in der Vorbereitung spielte Piet Scobel stark auf, bestätigte diese Form zum Saisonstart und steht nach drei Pflichtspielen bei drei Toren. Beim 4:2-Derbyerfolg in Fürth knipste der 21-Jährige doppelt und legte mit einem weiteren Treffer beim glücklichen Weiterkommen im DFB-Pokal bei Viktoria Köln nach.

Dabei sind seine aktuellen Leistungen das Ergebnis einer längeren Entwicklung, an der der FCN gemeinsam mit seinem Stürmer arbeitet, seitdem er im Januar 2025 aus der Oberliga Hamburg ins Frankenland kam. Seitdem arbeitete sich Scobel sukzessive von der U23 bis zu den Profis hoch, wo er seit Jahresbeginn fest dazugehört – belohnt wurde diese Entwicklung im Mai dieses Jahres mit seinem ersten Profivertrag.

Kloses Detailcoaching für Scobel

Bereits im Laufe der vergangenen Rückrunde, in der Scobel lediglich zum Auftakt zweimal traf, ließ Klose immer wieder durchblicken, dass man intensiv im Training mit Scobel arbeite – beispielsweise mit einem Spezialtraining für seine Spritzigkeit. Aber auch individualtaktisch gab der Weltmeister von 2014 dem Angreifer Tipps mit auf den Weg.

„Den Ball interessiert ihn mittlerweile nicht, sondern er geht zum Mann“, erkannte Klose bereits im März Fortschritte bei Scobels Verhalten beim Empfangen von Pässen: „Vorher ist er noch zum Ball gegangen und dann reicht ein kleiner Stupser.“

Offensichtlich arbeitet Scobel mittlerweile besser mit seinem Körper und ist stabiler gegen den Gegenspieler, statt sich zu stark auf den Ball zu konzentrieren. Das zeigte sein Treffer in Köln eindrucksvoll: Tatsächlich schiebt Scobel vor der Ballannahme zunächst seinen Körper in den Gegenspieler, um anschließend den Ball mitzunehmen und zum so wichtigen 1:0-Führungstreffer einzuschießen.

Szenen, wie man sie von Scobel in der Frühphase dieser Saison nun schon häufiger sah – und die offenbar auch das Ergebnis des Detailcoachings des ehemaligen WM-Rekordtorschützen Miroslav Klose sind.

Zweistellig treffender Stürmer geformt?

Dazu gehört natürlich allen voran auch die Arbeit, die Piet Scobel selbst in seine Entwicklung und seinen Körper steckte – und für die er von seinem Trainer immer wieder gelobt wurde. Insofern scheinen seine aktuellen Leistungen das Produkt vieler Aspekte zu sein: sei es Kloses Detailcoaching, das Scouting, das sein Entwicklungspotenzial bereits in der Oberliga erkannte, oder die Arbeit von Performance-Coach Hannes Wieber, der für die Fitness der Spieler verantwortlich ist.

Unter dem Strich scheinen Miroslav Klose und der 1. FC Nürnberg auf einem guten Weg zu sein, sich selbst einen Mittelstürmer zu formen, der die von Chatzialexiou angesprochene zweistellige Trefferausbeute innerhalb einer Saison erreichen könnte. Auch wenn es für Piet Scobel natürlich noch weitere Entwicklungsschritte – beispielsweise im sauberen Kombinationsspiel – zu gehen gilt, ist seine Entwicklung über die vergangenen anderthalb Jahre schon jetzt bemerkenswert – und ein Beispiel dafür, dass sich die Investition in Arbeit statt in Ablösen auszahlen kann.