Ex-FCN-Trainer Keller vor Karriereende

Warum er mit dem Trainergeschäft abgeschlossen hat – und trotzdem am Club hing.

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Foto: DO IT NOW Media / Stefanie Fiebrig

Wenig erfolgreich

Sein Punkteschnitt von 1,10 Zählern pro Partie ist bislang der schwächste aller Trainer, die den 1. FC Nürnberg seit dem Abstieg aus der Bundesliga 2018/19 betreuten. Insgesamt 21 Spiele dauerte die Amtszeit von Jens Keller, der den FCN zwischen November 2019 und Juni 2020 trainierte.

Im Rückblick bezeichnet Keller seine Station beim Club als „unheimlich schwierige Zeit“, wie er im Podcast Football Finance erzählt. Vor allem die Rahmenbedingungen während der Corona-Zeit waren nicht einfach. Dennoch erinnert sich der mittlerweile 55-Jährige an einige Highlights – unter anderem daran, dass man gegen den FC Bayern in der Vorbereitung mit 5:2 gewann. In einigen Partien verhinderten zudem die Chancenverwertung und das Spielglück ein besseres Ergebnis.

Anruf von Mathenia und Co.

„Wir haben teilweise richtig gut Fußball gespielt“, sah Keller seine Mannschaft prinzipiell auf dem richtigen Weg. Dennoch wurde er nach dem 34. Spieltag, als man Tabellensechzehnter war, freigestellt. Die darauffolgende Relegation inklusive dramatischem Ende fand entsprechend ohne ihn statt. „Da kann ich mich noch gut erinnern“, denkt er an den knappen Erfolg gegen Ingolstadt, den er im TV verfolgte, zurück. Da sein Vertrag in der 2. Bundesliga für ein weiteres Jahr galt, war er auch deshalb über den knappen Nürnberger Sieg froh.

„Man sieht, dass man, glaube ich, viel richtig gemacht hat, wenn die Spieler nach dem Abpfiff mich noch in der Sporthose angerufen haben und sagten: Trainer, du hast den Klassenerhalt mit geschafft“, war auch das Verhältnis zur Mannschaft intakt. Namentlich erwähnt er Enrico Valentini, Christian Mathenia und Hanno Behrens, die sich nach dem Spielende bei ihm telefonisch meldeten.

Lust verloren

Seit der Freistellung beim Club wurde es um Keller aber relativ ruhig. „Weil mein bester Freund damals sportlicher Leiter war“, übernahm er 2023 den damaligen Drittligisten SV Sandhausen, wo man sich nach einigen Monaten aber nicht über die zukünftige Ausrichtung einigen konnte.

Den „enormen Druck“, den man als Trainer im Profibereich erlebt, vermisst Keller nicht: „Der Job macht Spaß, man verdient natürlich auch gutes Geld. Aber irgendwann ist das nicht mehr wichtig, sondern die Lebensqualität.“

Vor allem die Schnelllebigkeit des Geschäfts ist der Ex-Profi mittlerweile müde: „Gewinnst du, hast du eine gute Woche, verlierst du, ist sie nicht so gut, verlierst du das zweite Mal, ist es eine scheiß Woche und beim dritten Mal kannst du schon wieder anfangen zu packen.“

Andere Zukunft

Dass Keller noch einmal als Trainer in das Tagesgeschäft einsteigen wird, hält er für unwahrscheinlich: „Da bin ich mir einfach zu schade für und möchte mein Leben nicht mehr Woche für Woche gestalten, sondern mein Leben genießen.“ So betreibt er derzeit viel Sport, hat seinen Aussagen zufolge die Themen Immobilien und Finanzen im Blick und ist damit sehr glücklich.

So deutet vieles darauf hin, dass der 1. FC Nürnberg neben dem SV Sandhausen, Union Berlin, Schalke 04 sowie dem VfB Stuttgart und dem FC Ingolstadt einer von sechs Vereinen in der Trainerkarriere von Jens Keller bleibt.