
Problem deutscher Fußball
Auch wenn er derzeit als Trainer des 1. FC Nürnberg für positive Schlagzeilen sorgt, ist es zweifelsfrei die Spielerkarriere samt WM-Titel, die die meisten Menschen mit FCN-Coach Miroslav Klose assoziieren. Jemand, der diese Zeit als Mitspieler erlebte, ist Philipp Lahm. Der 42-Jährige berichtet in seiner Kolumne für „Die Zeit“, dass für ihn Kontinuität bei Aufstellung und Formation ganz entscheidende Parameter für Erfolg im Fußball sind – und bezeichnet dies als „ein universelles Leitbild für Erfolg im Fußball“.
Den deutschen Fußball kritisiert er in dieser Hinsicht scharf – und nennt Julian Nagelsmann, der zuletzt DFB-Trainer war, als „Negativbeispiel“, der beispielsweise Spieler auf fremden Positionen einsetzte. Er habe „als Bundestrainer die Entwicklung seiner Mannschaft durch viele fundamentale Veränderungen verhindert“. Weitere Kritikpunkte am deutschen Fußball und dessen „Sonderweg“ sieht Lahm darin, dass hierzulande viel im Mann-gegen-Mann verteidigt wird, dass Trainer zuvor nicht Profi waren und dass die eigene Jugend vernachlässigt wird.
Gegenbeispiel Klose
„Doch es gibt Ausnahmen. Eine heißt Miroslav Klose“, lobt er den FCN-Trainer. „Klar, dass so jemand Verständnis für Hierarchie und Disziplin sowie das Wissen mitbringt, wer das Zusammenspiel verstärkt“, bewertet es Lahm positiv, dass beim Club nur wenig personelle Wechsel vorgenommen werden. „Er trägt die DNA eines guten Trainers in sich“, ordnet der frühere DFB- und FC-Bayern-Spielführer ein.
„Er macht, was ihn von vielen unterscheidet, die Dinge nicht komplizierter als sie sind. An Betriebssystem und Formation rüttelt er nicht grundsätzlich“, tituliert Lahm dies als eine der Stärken des 48-Jährigen: „Durch diese Wiederholungseffekte hat Miro einen Kern identifiziert, der der Nürnberger Mannschaft in der Zweiten Liga Stabilität verleiht.“
Dass Klose gleichzeitig die Jugend fördert und beispielsweise auf Eric Porstner und Tim Janisch baut, runde sein Potenzial als Trainer ebenso ab wie sein Verständnis für die Identität des Clubs. Als Beispiel nennt Lahm, dass Klose mit Jan Reichert einen Franken zum Kapitän ernannte.
FCN mit Potenzial
„Die Trainerposition in Nürnberg ist nun so besetzt, dass etwas entstehen kann“, sieht Lahm den FCN auf einem guten Weg – und betont, dass man „dank Miro“ das eigene Potenzial wieder besser ausschöpft. Die grundsätzlichen Möglichkeiten sieht er beim Club ohnehin als gut an. „Der FCN hat eine Vergangenheit, nur der FC Bayern wurde öfter Deutscher Meister. Max Morlock war der Schütze des ersten deutschen Tors in einem WM-Finale“, ordnet er ein.
Ein Einzugsgebiet fast ohne Konkurrenz, eine wirtschaftlich starke Metropolregion Nürnberg, die riesige Fan-Basis und ein womöglich bald modernisiertes Stadion zählt er ebenfalls auf.

