FCN oftmals passiv in der Vergangenheit
In der Vorsaison gab es beim 1. FC Nürnberg immer wieder Phasen, in denen man in tiefe Passivität fiel, den Gegner spielen ließ und sich ein Gegentor förmlich ankündigte. „Das hat uns letzte Saison oft das Genick gebrochen – dieses passive Verhalten, weil wir uns dann oft ein Gegentor gefangen haben“, erinnerte sich auch Julian Justvan nach dem jüngsten 2:1-Heimsieg über Hannover 96 an derartige Spiele.
Taktische Anpassung gegen den Ball
In der neuen Saison ist das bislang allerdings anders: „Unser Spiel ist deutlich dominanter. Wir wollen Ballbesitz und dominanten Fußball spielen, weil das Passive nicht unseres ist“, erklärt Nürnbergs Spielmacher, der darin einen großen Vorteil sieht: „Ich habe das Gefühl, wenn wir passiv werden, werden wir anfällig.“ Genau diese Anfälligkeit scheint nun deutlich seltener aufzutreten. Entscheidend dafür ist eine veränderte Herangehensweise im Spiel gegen den Ball.
„Deswegen müssen wir über 90 Minuten ins Pressing gehen und vorne drauf gehen, weil das unser Spiel ist“, kommt Justvan auf die taktische Anpassung zu sprechen. Tatsächlich verteidigt der Club seit der Schlussphase der Vorsaison konsequent im Mann gegen Mann statt im Raum wie noch zuvor unter Miroslav Klose. „Dann haben wir die Ballgewinne und Räume, um umzuschalten. Wir sind keine Mannschaft die abwartet“, so der 28-Jährige, der erklärt: „Deswegen haben wir gesagt, wir gehen Mann gegen Mann drauf. Wir brauchen uns vor keinem Gegner verstecken.“
Hannover-Spiel verdeutlicht Wichtigkeit des Pressings
Wie wichtig dieses nun aggressivere Pressing für das eigene Spiel ist, zeigte die Partie gegen Hannover 96 in mehreren Phasen. Gerade in den ersten 15 Minuten konnte man dadurch verunsichert wirkende Hannoveraner enorm unter Druck setzen und sieben hohe Balleroberungen erzwingen – mehr als in den Anfangsviertelstunden der vorangegangenen sieben Zweitligapartien zusammen. Eine davon führte schließlich auch zum 1:0-Führungstreffer.
Als der Club in der Folge weniger ins Mann gegen Mann kam, litt die eigene Dominanz. Eine Anpassung in der Pause, durch die man wieder mehr Zugriff auf die Gegenspieler bekam, führte hingegen zu einer starken Druckphase – der laut Klose „beste Halbzeit, seitdem ich hier bin.“
Und selbst nach dem erlösenden 2:1-Siegtreffer in der 65. Minute blieb der FCN mutig im Mann gegen Mann. Das hatte zur Folge, dass man von den grundsätzlich spielstarken Gästen nur selten hinten hineingedrängt wurde und stattdessen selbst immer wieder Balleroberungen und Torchancen generierte.
Sechs hohe Balleroberungen ab der 76. Minute stehen für eine weiterhin hohe Aktivität im Spiel gegen den Ball. Einen derartigen Wert gab es in einer Schlussphase seit Februar nicht mehr. „Wir wollen die Ballgewinne, weil wir den Ball haben wollen. Wir wollen die Überhand haben – ich glaube, das zeichnet unser Spiel aus. Deswegen ist es ein gutes Mittel im Moment“, konstatiert Justvan.
„Schleichender Prozess“ laut Klose
Warum der 1. FC Nürnberg nicht schon früher auf diese Art verteidigte? „Da müssen ganz viele Kleinigkeiten passen. [..] Da kann es sein, dass ein Fehler reicht. [..] Das musst du lange trainieren, dass jeder weiß, was er zu tun hat“, erklärte Klose diesen „schleichenden Prozess“ bereits vor dem Pokalspiel bei Viktoria Köln vor wenigen Wochen. „Das haben wir uns Ende der Vorsaison zugetraut. Dann haben wir ein bisschen Zeit in der Vorbereitung gehabt. Das gibt uns momentan ein gutes Gefühl.“
Da sowohl Klose als auch Justvan von „momentan“ und „im Moment“ sprechen, dürfte man beim 1. FC Nürnberg auch wissen, dass im weiteren Saisonverlauf Gegner kommen könnten, die Mittel gegen diese Herangehensweise finden. Insofern will man variabel bleiben: „Ich weiß, dass wir auch andere Sachen einüben müssen und eingeübt haben. Deswegen: Variabilität ist bei uns ein Schlüsselwort. Dass wir das auch gegen den Ball können“, so Klose. Die aktuelle Herangehensweise sorgt jedoch für eine hohe Dominanz des Clubs – die sich längst auch in der Tabelle widerspiegelt.


