Duell der Gegensätze: Warum Kaiserslautern für den FCN unangenehm wird

Der 1. FC Nürnberg trifft auf die beste Defensive der 2. Bundesliga. Doch der Gegner setzt nicht nur auf eine stabile Abwehr.

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Foto: DO IT NOW Media

Drittes Spitzenspiel

Sowohl für den 1. FC Nürnberg als auch für den 1. FC Kaiserslautern steht am Samstagabend bereits das dritte Topspiel der laufenden Zweitligasaison an. Während der FCN das erste gegen Arminia Bielefeld mit 4:1 gewann, gab es im letzten Heimspiel ein dramatisches 4:4 gegen den VfL Wolfsburg. Der FCK hingegen trennte sich zweimal torlos – sowohl in Wolfsburg als auch im Derby gegen den Karlsruher SC gab es ein 0:0.

Klare Stärken

Die beiden torlosen Remis lassen bereits erahnen, was den Club am neunten Spieltag für ein Gegner erwartet: einer, der sehr gut verteidigen kann. Gerade einmal vier Gegentreffer mussten die Pfälzer in den ersten acht Ligaspielen und der ersten DFB-Pokalrunde hinnehmen. Lediglich bei der bislang einzigen Saisonniederlage in Magdeburg (0:3) sowie beim 2:1-Auswärtssieg bei St. Pauli traf der Gegner. In den anderen sieben Pflichtspielen blieb FCK-Torwart Julian Krahl ohne Gegentor.

Trainer Torsten Lieberknecht verriet unter anderem im Podcast FROM COACH TO COACH, dass man in der Vorbereitung ganz bewusst den Fokus auf das Spiel gegen den Ball legte. Schließlich hatte man die vielen Gegentreffer der Vorjahre als einen wesentlichen Grund dafür ausgemacht, dass es nicht für mehr reichte. Entsprechend definierte man für die unterschiedlichen Pressinghöhen klare Abläufe und arbeitete auch individuell intensiv mit den Spielern.

Schwer zu knacken

Das zahlt sich bislang aus. Dabei ist nicht zu erwarten, dass sich der FCK ausschließlich tief in die eigene Hälfte zurückziehen wird. Vielmehr versucht die Lieberknecht-Elf auch durch ein intensives Pressing und zahlreiche Mannorientierungen, den Gegner möglichst weit vom eigenen Tor fernzuhalten.

So verzeichnen die Pfälzer die meisten Sprints, die drittmeisten Zweikämpfe und die vierthöchste Pressingintensität der 2. Bundesliga. Die Mannschaft von Miroslav Klose wird am Samstagabend somit nicht nur spielerische Lösungen, sondern auch die nötige Geduld sowie Intensität mitbringen müssen.

Gleichzeitig ist Kaiserslautern in der eigenen Box extrem gut organisiert und lässt kaum unbedrängte Abschlüsse zu. Deshalb kassierte man bislang nicht nur die wenigsten Gegentore, sondern ließ auch die wenigsten Expected Goals und Großchancen zu.

Auffällig ist zudem die Bilanz bei ruhenden Bällen. Während der FCN bei gegnerischen Eckbällen im Ligavergleich rund 54 Prozent mehr Torgefahr zulässt, sind Ecken gegen den FCK um 66 Prozent ungefährlicher als gegen andere Teams. Bislang ist man ohne Gegentor nach ruhendem Ball.

Dennoch hatte der FCK vereinzelt auch das nötige Glück auf seiner Seite. Gemessen an der gegnerischen Chancenqualität wären bislang bereits rund zehn Gegentreffer zu erwarten gewesen.

Wenig Tore

Im Spiel mit Ball unterscheidet sich die Lieberknecht-Elf deutlich von den Nürnbergern. Das zeigen bereits die grundlegenden Statistiken: Kaiserslautern verzeichnet die zweitschwächste Passquote und den drittniedrigsten Ballbesitzanteil der Liga.

Systematisch ist die Dreierkette gesetzt, davor agiert man allerdings ziemlich variabel. Mal läuft der FCK im 3-5-2, mal im 3-4-2-1 auf. Gerade in der Offensive verfügt Lieberknecht über unterschiedliche Spielerprofile. Da der Trainer betont, dass er seine Herangehensweise gerne am Gegner ausrichtet, könnten gegen den Club insbesondere Tempo und Tiefgang eine wichtige Rolle spielen.

Mit Naatan Skyttä, Milos Lukovic, Erencan Yardimci, Marlon Ritter, Thierry Tazemeta, Mergim Berisha oder Ivan Prtajin stehen zahlreiche unterschiedliche Akteure zur Verfügung, die allesamt Kandidaten für die Offensive sind und ihre individuellen Stärken mitbringen.

Dennoch ist es kein Zufall, dass Kaiserslautern bislang erst acht Ligatreffer erzielte – und damit 13 weniger als der FCN. Ein Faktor dafür ist sicherlich die Chancenverwertung: Während bei der Klose-Elf durchschnittlich jeder siebte Schuss im gegnerischen Tor landet, ist es beim FCK nur jeder 16. Abschluss. Eine noch schwächere Quote weist lediglich der VfL Bochum auf.

Absetzen?

Somit erwartet den 1. FC Nürnberg am Samstagabend ein Gegner, der ebenfalls gut in die Saison gestartet ist und bislang vor allem defensiv einen äußerst stabilen Eindruck hinterlassen hat.

Dennoch bietet das direkte Duell dem Club die Möglichkeit, sich in der Tabelle weiter abzusetzen. Bei einem Heimsieg würde der Vorsprung auf die Gäste bereits auf sechs Punkte anwachsen. Gewinnt hingegen der FCK, wären beide Mannschaften punktgleich.

Allein diese Ausgangslage zeigt, dass es zumindest für die kommenden Wochen ein richtungsweisendes Spiel werden könnte. Zumal der FCN nach zuletzt zwei Unentschieden in Folge wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren möchte.

„Es gilt, zu Hause weiterhin mit breiter Brust aufzutreten. Jeder will uns im Achteck schlagen, aber das dürfen wir nicht zulassen“, blickt Klose auf das Spitzenspiel.