„Das schaue ich mir noch ein paar mal an“ – FCN dominiert den KSC

Der 1. FC Nürnberg setzt seinen Matchplan gut um - und erzielt ein Traumtor.

1. FC Nürnberg FCN News Analyse CLUBFOKUS Mohamed Ali Zoma Miroslav Klose
Foto: DO IT NOW Media

Erwartete Herangehensweise

Vor der Länderspielpause hatte der 1. FC Nürnberg die Gelegenheit, den bis dato nahezu perfekten Saisonstart beim Karlsruher SC noch weiter auszubauen. Wenig überraschend setzte FCN-Trainer Miroslav Klose am sechsten Spieltag auf die Startelf, der er auch zuletzt vertraute.

Dass der Club seiner erfolgreichen Herangehensweise der vergangenen Wochen treu bleiben würde, war erwartbar. Deutlich spannender war, wie sich der KSC nach der 0:3-Heimniederlage gegen den Aufsteiger aus Cottbus in der Vorwoche präsentieren würde. Auch wenn zuletzt die Ergebnisse ausblieben, konnte man bei den Badenern in der noch jungen Saison stets die Ansätze des neuen Trainers Maximilian Senft erkennen.

Nur ein kurzes Hin und Her

Bis vor dem Spiel gegen den FCN war der KSC immerhin auch der Zweitligist mit der durchschnittlich höchsten Pressingintensität (PPDA). In den ersten fünf Minuten gegen den Club war dies durchaus sichtbar. Den Nürnberger Spielaufbau wollten sie aus dem 4-3-1-2-System sehr hoch stören und vermutlich eine wilde Anfangsphase provozieren.

Der ein oder andere Ballverlust aufseiten der Franken – und beispielsweise ein kurzer Wackler von Kapitän Jan Reichert – war die Folge, hielt aber nur etwa fünf Minuten an. „Der Plan war, den Gegner höher anzulaufen“, monierte Senft nach dem Spiel die Abstände seiner Mannschaft bei den hohen Pressingversuchen.

Nur der FCN

Daraufhin spielte aber nur noch der 1. FC Nürnberg. Viel Ballbesitz, Ruhe und Geduld verzeichnete man für sich, Karlsruhe hingegen fiel sehr tief, verteidigte im Block und kam so gut wie gar nicht zu Balleroberungen.

Man bekam durchaus den Eindruck, als würde der FCN sehr bewusst auf viel Ballsicherung gehen – und nicht den erstbesten Weg nach vorne suchen, um den Plan des Gegners zu durchkreuzen. So baute man das Spiel stets zu dritt mit dem zwischen die beiden Innenverteidiger abkippenden Adam Markhiyev auf, legte den eigenen Spielaufbau sehr breit an und ließ den Ball viel in den eigenen Reihen zirkulieren.

Der KSC verdichtete zwar das Zentrum, die Wege nach außen waren dadurch aber sehr weit. Teilweise ging man sie nicht, dann konnte der Club unbedrängt den Ball halten – oder man schob auf den Flügel, dann ging situativ das Zentrum dahinter auf.

Auch Klose war entsprechend zufrieden mit seiner Mannschaft und damit, wie sie den Matchplan umsetzte: „Ich glaube, dass wir die erste Halbzeit sehr, sehr dominant gespielt haben. Wir waren sehr konsequent bei Ballverlusten, hatten ein gutes Positionsspiel, haben clevere Entscheidungen getroffen und den Gegner laufen lassen.“

Traumtor

Auch wenn der FCN dadurch phasenweise etwa 80 Prozent Ballbesitz hatte, kam man nur zu relativ wenigen klaren Abschlüssen – wenngleich ein möglicher Elfmeter nach einem Stoß von Deniz Ofli an Piet Scobel etwas überraschend nicht geahndet wurde.

Dennoch war der Club die klar überlegene Mannschaft, die sich den Gegner zurechtlegte – um im richtigen Moment zuzustechen. Dieser war in der 31. Minute gekommen. Ausgangspunkt war einmal mehr Fynn Otto, der einen klugen Pass zwischen die Linien spielte, wo Javier Fernandez den Ball zu Scobel weiterleitete.

Dieser setzte erneut Fernandez in Szene, dessen gut getimten Steckpass der schräg einlaufende Mohamed Ali Zoma vollendete. Ein Angriff, in dem Timing, Positionierung und Präzision perfekt passten. „Ein fantastisch herausgespieltes Tor“, schwärmte auch der Nürnberger Trainer: „Das schaue ich mir noch ein paar Mal an, das Tor.“

Auffällig war abgesehen davon, dass Zoma diesmal noch öfter seine angestammte Position als linker Flügelspieler verließ. Vermutlich auch, um ihn noch schwerer für den Gegner greifbar zu machen und nicht permanent gedoppelt werden zu können.

Sehr souverän

Auch nach der Pause lief das Spiel zunächst ähnlich weiter. Der KSC nahm zwar ein paar Anpassungen vor, aber die aktivere und gefährlichere Mannschaft blieb klar der Club. Klare Abschlüsse hatte man erneut nicht auf der Habenseite, war aber extrem präsent.

So landete fast jeder lange Ball bei der Nürnberger Innenverteidigung, wo auch Alexios Kalogeropoulos viele Situationen frühzeitig entschärfte. Zweite Bälle landeten ebenfalls konsequent beim FCN, da das Mittelfeld rund um Markhiyev dafür gut positioniert war und fleißig mit nach hinten arbeitete.

Bis zum Schluss eng

Zur Hälfte der zweiten 45 Minuten kippte das Spiel etwas. Der KSC schaffte es nun öfter, das Spiel in die Nürnberger Hälfte zu verlagern – und der FCN verlor etwas von seiner Dominanz mit Ball. Vor allem über die rechte Angriffsseite versuchte es Karlsruhe nun oft, durchzubrechen und den Ball von dort aus in die Box zu bringen.

Dass es nun ausgeglichener war, verdeutlichen auch die Zahlen zum Spiel. So waren es laut FotMob vor der Pause noch 78 Prozent Ballbesitz für den Club, nach der Halbzeit „nur“ noch 54 Prozent.

Insgesamt ließ man aber nur einen Expected-Goals-Wert von 0,43 zu und verdiente sich den Auswärtserfolg somit am Ende auf allen Ebenen. Eine „sehr gute Leistung der Nürnberger“ hatte auch KSC-Trainer Senft gesehen. Klose hingegen spricht von einem „sehr souveränen Spiel“ – und dürfte nun bestens gelaunt in Richtung der langen Länderspielpause blicken.