Wolfsburg-Abstieg schlecht für Zweitligisten?
Da sich der VfL Wolfsburg als Werksverein von Volkswagen eher geringer Beliebtheit erfreut, dürften sich viele Fußballfans in Deutschland nicht sonderlich darüber geärgert haben, dass die Niedersachsen trotz ihrer finanziellen Möglichkeiten erstmals nach 29 Jahren aus der Bundesliga abgestiegen sind. Auf den zweiten Blick dürfte dieser Abstieg allerdings gerade ambitionierten Zweitligisten weniger gefallen. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass einer der beiden direkten Aufstiegsplätze bereits vergeben sein könnte.
Wolfsburger Budget sei „Wahnsinn“
Freilich gibt es warnende Beispiele wie den Hamburger SV, der trotz seines vergleichsweise hohen Etats ganze sieben Jahre benötigte, um die Rückkehr ins deutsche Oberhaus zu schaffen. Allerdings scheint dies laut den von Transferexperte Florian Plettenberg genannten Zahlen kaum mit der Situation in Wolfsburg vergleichbar zu sein.
„Sie gehen mit einem Budget von 40 Millionen Euro rein. Ich habe mit ein, zwei Zweitligabossen telefoniert. Die haben gesagt: das ist Wahnsinn, das hat es noch nie gegeben“, sagte Plettenberg bei „Transfer Update – die Show“.
Weit über dem Durchschnitt der 2. Bundesliga
„Die Top-5 liegen im Durchschnitt bei 20 Millionen Euro“, zieht Plettenberg den Vergleich zu den bisherigen Spitzenklubs der 2. Bundesliga. Bei den Mannschaften dahinter liege der Etat sogar nur bei durchschnittlich 12 bis 13 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund seien die 40 Millionen Euro der Wolfsburger schlicht „absurd“.
Insofern dürfte der neue Sport-Geschäftsführer des VfL Wolfsburg und ehemalige FCN-Sportvorstand Dieter Hecking auf dem Transfermarkt über außergewöhnliche Möglichkeiten verfügen – und viele Zweitligisten, womöglich sogar einige Bundesligisten, finanziell ausstechen können.
Wolfsburg sticht Bundesligisten aus
Ein Beispiel dafür ist der Transfer von Fraser Hornby vom SV Darmstadt 98 in die Autostadt. Einerseits kostet der zweitbeste Lilien-Scorer der Vorsaison mit einer kolportierten Ablöse von rund vier Millionen Euro für einen 26-jährigen Zweitligaspieler bereits überdurchschnittlich viel. Andererseits soll sich auch sein Gehalt in anderen Dimensionen bewegen.
„Ein sehr, sehr hoher sechsstelliger Bereich. Da können viele nicht mithalten“, so Plettenberg. Offenbar gilt das sogar für den einen oder anderen Bundesligisten. „Fraser hatte auch andere Möglichkeiten und hätte beispielsweise in die Bundesliga wechseln können“, erklärte VfL-Sportdirektor Primin Schwegler.
VfL Wolfsburg enteilt der 2. Bundesliga
Weitere Neuzugänge wie Robert Glatzel vom Hamburger SV sollen folgen. Zudem möchte Wolfsburg Spieler wie Dzenan Pejcinovic halten, was allein in der Offensive bereits eine für Zweitliga-Verhältnisse bemerkenswerte Besetzung wäre. Mit Tobias Strobl vom SC Verl soll außerdem einer der derzeit spannendsten deutschen Trainernamen verpflichtet werden. Die laut BILD geforderte Ablöse von rund einer Million Euro dürfte dabei kaum ein Hindernis darstellen.
Aktuell wirkt es so, als würde der VfL Wolfsburg seine finanzielle Vormachtstellung erwartungsgemäß ausspielen, den Transfermarkt dominieren und der Konkurrenz bereits vor dem ersten Spieltag der neuen Zweitligasaison ein Stück weit enteilen.


