Vorzeichen nicht genutzt
Bis auf den achten Tabellenplatz hatte sich der 1. FC Nürnberg in den vergangenen Wochen vorgearbeitet – und blieb zuletzt dreimal in Folge ungeschlagen. Auch deshalb vertraute FCN-Trainer Miroslav Klose der Anfangsformation aus der Vorwoche, die in Braunschweig beim 1:1 „zu wenig Fußball“ anbot. Obwohl die Gäste aus Dresden einige Ausfälle verzeichneten – und unter anderem viermal im Vergleich zum letzten Spieltag wechseln mussten –, sollte sich das nicht ändern. Stattdessen enttäuschte der Club bei der 0:2-Heimniederlage auf nahezu allen Ebenen.
Fehlende Energie
Laufleistung ist im Fußball eine zumeist überbewertete Zahl. Wenn ein Team – obwohl man in Gleichzahl spielt – jedoch über 10 Kilometer mehr abspult, passt es in das Bild, das der FCN auch ansonsten abgab. Körpersprache, Energie und Intensität waren nicht auf dem Level, das es benötigt hätte. „Da brauchst du Spieler, die dementsprechend auch pushen und Intensität an den Tag legen. […] Ich habe es von jedem einzelnen vermisst. Das spricht ja Bände“, kritisierte Klose seine Mannschaft entsprechend scharf.
Viel Stückwerk
Der 47-Jährige hat jedoch auch selbst seinen Anteil am Spielverlauf. Er wollte von seiner Mannschaft sehen, dass sie nicht nur auf zweite Bälle geht, sondern fußballerische Lösungen findet, brachte im Mittelfeld aber nicht zwingend seine besten Fußballer. Man setzte auf ein 4-2-2-2 mit Rabby Nzingoula und Julian Justvan als Halbzehnern, die die gegnerischen Außenverteidiger binden sollten, sodass die Doppelspitze möglichst in 1-gegen-1-Situationen gegen Dresdens Innenverteidigung kommen sollte. Dazu wollte man die sehr extrem verschiebenden Gäste mit Verlagerungen knacken.
Abgesehen von diesem Ansatz, zu dem man zu selten griff, wurden Abläufe im Spiel nach vorne über weite Phasen vermisst. Unter Gegnerdruck agierte man viel zu fehlerhaft, traf falsche Entscheidungen und schlug offensiv im Zweifel den Ball in die gegnerische Box. Stattdessen war es der Gast, der trotz einiger wichtiger Ausfälle die reifere Spielanlage an den Tag legte. „Sie haben uns heute in unserem Stadion mit Ball dominiert – und das kann nicht sein“, zog Justvan ein ernüchterndes Fazit.
Wenig Zugriff
Während Dresden in einer Art 4-1-4-1 verteidigte und durch den Sechser oftmals den Raum vor der Abwehrkette zusätzlich absicherte, war der Abstand zwischen der FCN-Viererkette und dem Mittelfeld immer wieder zu groß. Eine höhere individuelle Qualität auf der anderen Seite hätte dies sicherlich noch öfter bestrafen können, zumal Nürnberg auch auf der rechten Defensivseite oftmals die nötige Abstimmung vermissen ließ. Die Franken versuchten, mannorientiert und hoch zu pressen, bekamen aber lange Zeit nur wenig Zugriff auf die gegnerischen Abläufe, wie auch Klose analysierte: „Wir sind vorne angelaufen und der Rest war noch 15 Meter hinter der Mittellinie. Wie willst du da Kompaktheit hinkriegen und Bälle gewinnen?“
Effizienter Gegner
Auch wenn der Club hinter den eigenen Ansprüchen weit zurückblieb, sah Dresden-Trainer Thomas Stamm über 90 Minuten ein „sehr ausgeglichenes Spiel“, in dem seine Mannschaft auch den ein oder anderen Moment überstehen musste. Tatsächlich kam der Club beispielsweise in der Anfangsphase nach gegnerischen Fehlern zu aussichtsreichen Situationen und hätte daraus mehr machen müssen.
Die Gäste waren abgesehen davon sehr gut auf die Klose-Elf eingestellt, nahmen Laufwege frühzeitig auf und zeigten auch offensiv klare Prinzipien – unter anderem das permanente Vorder- oder Hinterlaufen am Flügel, um dort Überzahlsituationen herzustellen. Kombiniert mit etwas Glück entstand so auch das 0:1, das am Ende Henri Koudossou in das eigene Tor einschlss. Dass Dynamo sehr effizient in seinen Abschlüssen war, kam erschwerend hinzu. Auch das 0:2 ging jedoch zu einfach, nach einem Ballverlust läuft man in einem Konter und Justin von der Hitz kann den Gegner nicht am Abschluss hindern.
Schwaches Kollektiv
Individuell wäre der FCN am Samstagnachmittag im Max-Morlock-Stadion sicherlich überlegen gewesen. Das blitzte aber viel zu selten auf, da auch Leistungsträger wie Adam Markhiyev oder Luka Lochoshvili nicht das zeigen konnten, was sie über weite Phasen der Saison auszeichnete. „Ich will heute keinen rausnehmen, aber auch keinen loben, weil es überhaupt nicht der Zeitpunkt dafür ist“, sah Klose ein schwaches Kollektiv, bei dem kaum einer seine Normalform erreichte.
So lag es wie schon oft an Mohamed Ali Zoma, der den Unterschied machen sollte. In der ersten Halbzeit kam es durch ihn zu einer brenzligen Situation, die auch einen Platzverweis Dynamos hätte nach sich ziehen können. „Ich bin überzeugt, dass es heute auch mit einem Mann mehr schwierig geworden wäre, so wie wir gespielt haben“, sagte Klose vielsagend zu der Szene.


