Klose macht es anders: Wer beim FCN die Gegneranalyse präsentiert

Beim 1. FC Nürnberg überlässt Miroslav Klose die Gegnervorstellung seinen Analysten. Ein Vergleich mit anderen Trainern zeigt, dass diese Aufgabenverteilung keineswegs selbstverständlich ist.

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Foto: DO IT NOW Media

Schon beim ersten Gegner gefragt

„Wir kriegen den Gegner vorgestellt durch unsere Analyse“, erklärte FCN-Trainer Miroslav Klose vor dem Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98. Beim 1. FC Nürnberg übernimmt diesen Part inzwischen Daniel Fischer. Dass Klose die Gegnervorstellung an seine Analysten abgibt, hatte sich bereits im Sommertrainingslager in Südtirol gezeigt.

Benny Grund war erst seit wenigen Tagen im Amt, als Klose ankündigte, dass er den FC Palermo vorbereite und „ihn auch dann vorstellt“. Grund bekam damit gleich beim ersten Gegner das Vertrauen, der Mannschaft selbst zu vermitteln, worauf es im Testspiel ankommen würde.

Wie viel Arbeit hinter der Gegnervorbereitung steckt, hatte Julian Justvan bereits zu Zeiten von Jérôme Polenz beschrieben. „Jerome macht das alles im Hintergrund, er kümmert sich um die Videos und Analysen“, sagte Justvan über den damaligen Co-Trainer Analyse. Polenz habe auch viel individuell mit den Spielern gearbeitet und darauf geachtet, „dass wir jedes kleinste Detail vom Gegner mitbekommen“.

Bei Kwasniok dauerte es rund ein Jahr

Wie unterschiedlich viel Verantwortung Analysten übernehmen dürfen, berichtete Analyst Eduard Schmidt im Podcast „From Coach to Coach“. Den größten Freiraum habe er beim SC Paderborn unter Lukas Kwasniok erhalten. Dabei sei eine seiner ersten Analysen „absolute Grütze“ gewesen. Kwasniok habe ihm das direkt gesagt und erklärt, was er anders machen müsse. Schon nach wenigen Spielen sei der Trainer dann so zufrieden gewesen, dass Schmidt ihm nicht mehr jede einzelne Szene zeigen musste.

Bis Schmidt seine Analysen auch vor der Mannschaft präsentieren durfte, dauerte es allerdings rund ein Jahr. „Die Spieler hören mich jeden Tag. Ich will, dass du das jetzt machst“, habe Kwasniok ihm schließlich gesagt.

Andere Trainer greifen stärker ein

Wie intensiv sich Cheftrainer selbst mit dem Gegner beschäftigen können, verdeutlichte beispielsweise Vincent Kompany. Vor dem Halbfinal-Rückspiel der vergangenen Champions-League-Saison gegen Paris Saint-Germain erklärte der Bayern-Trainer, in den Tagen zuvor „wahrscheinlich 35 Spiele“ der Pariser gesehen zu haben.

Auch Schmidt arbeitete bereits mit Trainern zusammen, die bei der Gegneranalyse deutlich mehr selbst vorgaben. Bei Christian Titz in Hannover bestimmte vor allem die eigene Spielidee, worauf Schmidt beim Gegner achten sollte. Viele Grundsätze seien dabei unverhandelbar gewesen.

Tonda Eckert, der 2019/20 gemeinsam mit Klose die U17 des FC Bayern betreute, ging beim FC Southampton wiederum jede Analyse im Detail mit Schmidt durch. Bei einzelnen Szenen griff er selbst ein und stellte die Ergebnisse anschließend stets persönlich der Mannschaft vor.

Auch Klose wird sich mit seinem Trainerteam intensiv über den jeweiligen Gegner austauschen. Dass er die Vorstellung vor der Mannschaft seinen Analysten überlässt, zeigt dennoch, wie viel Verantwortung er innerhalb seines Trainerstabs verteilt. Eine Herangehensweise, die im Profifußball offenbar keineswegs selbstverständlich ist.