FCN gewinnt trotz deutlicher Unterlegenheit
„Wenn wir das Spiel zehnmal spielen, werden wir wahrscheinlich achtmal das Spiel gewinnen“, resümierte Marcel Rapp nach der 1:3-Heimniederlage seines FC St. Pauli gegen den 1. FC Nürnberg am Sky-Mikrofon. Eine Einschätzung, die auf Grundlage der Statistik sogar noch untertrieben erscheint. Denn die klar überlegenen Hamburger ließen beste Chancen liegen und konnten aus einem Expected-Goals-Wert von 4,1 lediglich ein Tor erzielen, während der FCN aus 0,9 xG gleich drei Treffer machte. Nach dem zugrunde liegenden Chancenmodell hätte die Verteilung der Qualität und Quantität der Torchancen in rund 90 Prozent der Fälle einen Sieg der Kiezkicker und in nur vier Prozent einen Erfolg der Franken ergeben.
Insofern musste auch Miroslav Klose zugeben, dass der Erfolg in Hamburg glücklich war. Schließlich hatte seine Mannschaft große Probleme, das insbesondere in der Vertikalen variable Spiel des Gastgebers zu verteidigen. Von Beginn an war zu sehen, dass die Kiezkicker vor allem über Stürmer Abdoulie Ceesay mit viel Tempo die Tiefe suchten. Dabei tat sich der Club schwer, Zugriff zu finden, wodurch die Rapp-Elf immer wieder Räume hinter der Nürnberger Abwehr fand. „Super Bälle zwischen die Schnittstellen gespielt, St. Pauli war schwer zu verteidigen“, gab Klose nach dem Spiel zu.
St. Pauli vergibt beste Chancen
Schon nach nicht einmal 20 Minuten hätten die „Boys in Brown“ angesichts von 10:0 Abschlüssen und einem xG-Wert von fast zwei führen müssen. Kurioserweise lag allerdings die Mannschaft von Klose vorne. Umso glücklicher war die Entstehung der Führung: In der siebten Minute bugsierte Eric Smith eine versuchte Ablage von Julian Justvan von der Grundlinie ins eigene Tor. Der erste eigene Nürnberger Abschluss erfolgte erst nach über 23 Minuten.
Mit zunehmender Dauer der ersten Hälfte konnte der Club zumindest etwas mehr Ruhe in sein Spiel bringen, wenngleich der eigene Ballbesitz selten zielführend war. St. Pauli wirkte gut auf den Nürnberger Spielaufbau vorbereitet, der nach einigen Querpässen meist in Richtung der Außenverteidiger gelenkt wurde und selten über die Mittellinie, geschweige denn ins Angriffsdrittel gelangte. Unter dem Strich konnte man sich auch bei einem einmal mehr starken Jan Reichert bedanken, dass zur Pause die Null stand: „Er hat uns am Leben gehalten“, so Klose.
Verbesserungen nach der Pause – und der Ausgleich
Nach der Pause versuchte der FCN, anders als noch im ersten Durchgang häufiger die Seite zu verlagern – etwas, das St. Pauli mit seiner Raute gegen den Ball lange Zeit zu verhindern wusste. Die leichten Fortschritte im eigenen Ballbesitz wurden allerdings durch einen Ballverlust von Javi Fernández tief in der eigenen Hälfte zunichtegemacht, der in der 58. Minute letztlich zum Ausgleich durch Ceesay führte.
Anschließend gelang es dem Club zwar phasenweise, das Spiel durch längere Ballbesitzphasen zu beruhigen. Eigene Torgefahr entwickelte man dabei allerdings kaum.
Haugen trifft aus unmöglichem Winkel
Wie aus dem Nichts konnte der FCN dann aber in der 72. Minute erneut in Führung gehen. „Ich hab nie geglaubt, dass er den aufs Tor bekommt“, sagte Klose über das 2:1 durch den erst sieben Minuten zuvor eingewechselten Sigurd Haugen. Der norwegische Stürmer fing einen Rückpass von St. Paulis Linksverteidiger Louis Oppie ab, umkurvte Torhüter Ben Voll und schob aus einem unheimlich spitzen Winkel ein.
Nur wenige Sekunden später vergab Rafael Lubach mit einem schlampig ausgespielten Konter die große Chance auf die Vorentscheidung.
Nach kurzem Schütteln übernahm St. Pauli wieder das Kommando, erhöhte das Risiko, indem man im 1-gegen-1 verteidigte, und drückte den Club zunehmend tiefer in die eigene Hälfte. Der FCN hatte jedoch immer wieder ein Bein dazwischen. Auch dank Kloses Einwechslungen gelang es den Franken, zwischendurch für Entlastung zu sorgen und schließlich in der 90. Minute durch einen traumhaften Fernschuss von Youngster Marc Kornwachs das Spiel zu entscheiden.
Effizienz macht den Unterschied
„Ich hab der Mannschaft vor dem Spiel gesagt, dass das Spiel viele verschiedene Phasen haben wird, und es war so“, fasste Miroslav Klose zusammen. In vielen dieser Phasen waren jedoch die St. Paulianer die bessere Mannschaft.
Gleichzeitig sah der FCN-Trainer sein Team aber auch immer wieder die richtigen Lösungen finden: „Dass wir trotzdem Fußball gespielt und uns herauskombiniert haben.“
Entscheidend war letztlich jedoch die Effizienz vor dem Tor. Während St. Pauli eine Großchance nach der anderen liegen ließ, nutzte der Club seine wenigen Möglichkeiten konsequent und nahm drei Punkte mit, die angesichts des Spielverlaufs kaum zu erwarten waren. Nach mehreren guten Auftritten ohne Sieg durfte diesmal also auch das Spielglück auf Nürnberger Seite sein – wenngleich die deutlichen Probleme gegen den Ball nicht darüber hinwegtäuschen sollten, dass es für den FCN noch einiges zu verbessern gibt.


