Schwache Halbzeit
Beim 1. FC Nürnberg wollte beim 1:1 im Frankenderby bei der SpVgg Greuther Fürth in der ersten Halbzeit nur wenig gelingen. Auch wenn man viel den Ball hatte, wusste der FCN damit wenig anzufangen. Sehr lange Kontaktzeiten am Ball, wenig Tempo, kaum Bewegung und ein auch im Kopf sehr behäbiger Auftritt prägten das Spiel des Clubs.
Da der Rivale gleichzeitig hoch und intensiv presste, verzeichnete das Kleeblatt zehn hohe Balleroberungen in den ersten 45 Minuten – Bestwert der laufenden Spielzeit. Auch der PPDA-Wert, der die Anzahl der zugelassenen gegnerischen Pässe im Spielaufbau pro eigener Defensivaktion misst, war bei Fürth noch nie zuvor so niedrig. Obwohl die Mannschaft von Miroslav Klose 58 % Ballbesitz verzeichnete, resultierten daraus kaum Angriffsaktionen. 10:17 Angriffe lautete die Bilanz zur Pause aus Nürnberger Sicht.
Fürther Spielweise
Etwas überraschend war, dass Fürth nur wenig am strukturierten Spielaufbau interessiert war. 27,4% der gespielten Pässe waren lange Bälle – zum Vergleich: In der Vorwoche beim VfL Bochum spielte man im ersten Spielabschnitt lediglich 5,6% der Bälle lang.
Offensichtlich machte man beim FCN eine Schwachstelle für diese langen Bälle aus. Denn immer wieder sollte Berkay Yilmaz in Luftduelle gegen Felix Klaus geschickt werden. Bezeichnend ist, dass der türkische U21-Nationalspieler in seiner Zweitligakarriere bislang durchschnittlich 1,3 Kopfballduelle pro 90 Minuten absolviert – am Sonntagnachmittag waren es in einem Spiel ganze sieben, von denen er jedoch nur eines gewann.
Verlor der Club den zweiten Ball, hatte man mit der Fürther Offensive einige Probleme. Die Kombination aus Physis, Technik und Tiefgang stellte die FCN-Defensive vor die ein oder andere knifflige Aufgabe. „Die erste Halbzeit ging an Fürth. […] Wir haben uns zu oft hinten reindrängen lassen“, analysierte Torwart Jan Reichert nach dem Schlusspfiff.
Reaktion gezeigt
Was man dem 1. FC Nürnberg jedoch zugutehalten muss, ist, dass man nach dem schmeichelhaften 1:1 zur Halbzeit eine Reaktion zeigte. Man agierte nun deutlich mutiger, bewegte sich nach dem Abspiel sofort weiter, war technisch sauberer und brachte insgesamt mehr Intensität auf den Platz. Dadurch gelang es dem Club auch, sich nun öfter zwischen den Linien freizuspielen und Spieler in den Halbräumen zu finden, von wo aus man das Spiel oftmals beschleunigen konnte. „In der zweiten Halbzeit hat man schon gesehen, was wir im Ballbesitz machen können und imstande sind, zu leisten“, sah auch Reichert seine Vorderleute deutlich verbessert.
Chancen gab es – wie die 13 Abschlüsse und 20:5 Strafraumaktionen in der zweiten Halbzeit zeigen – genügend, um einen zweiten Treffer zu erzielen. Klose vermisste hier vor allem die Überzeugung: „Wir spielen so oft kleine Spielfelder, in denen die Spieler genau in diesen Zonen die Abschlüsse haben. Aber diese Überzeugung hat heute gefehlt. Wenn du den Ball bekommst, da darf das nicht so träge sein. Ich hatte das Gefühl, dass sich der ein oder andere dachte – oh, jetzt spielt er zu mir.“
Nur 45 Minuten
So war es am Ende ein Stück weit ein Spiegelbild der gesamten Saison – ein Club, der sich sehr wechselhaft präsentierte. Warum das erneut so war, konnte man sich im Nachgang nur bedingt erklären.
„Es ist natürlich schade, so eine zweite Halbzeit zu spielen, wenn man vielleicht auch eine solche erste Halbzeit hätte spielen können“, trauert auch Reichert hinterher – der für die ersten 45 Minuten aber ebenfalls Erklärungsansätze sucht: „Man muss trotzdem auch die anderen Gegebenheiten sehen. Für Fürth geht es um alles, die stecken tief unten drin und brauchen jeden Punkt. Dann musst du auch erst mal in das Spiel kommen.“


