Formstarker FCN
Elf Punkte konnte der 1. FC Nürnberg aus den vergangenen sechs Partien einfahren. In dieser Zeit verlor der FCN nur ein Spiel und ist in der Formtabelle seit dem 26. Spieltag das fünftbeste Team der 2. Bundesliga. Die Stimmung rund um den Club wirkte jedoch schon vor dem 1:0-Heimerfolg gegen den FC Magdeburg nicht so – und auch trotz des Sieges scheint keine echte Euphorie über die jüngsten Leistungen auszubrechen.
Weniger lange Bälle
„Es war schon ein bisschen Druck drauf“, gestand auch Torschütze Rafael Lubach nach der Partie. Dennoch startete der FCN gar nicht so schlecht in die Partie. Natürlich wusste man, dass die Gäste den Nürnberger Spielaufbau Mann gegen Mann zustellen würden. Dennoch verzichtete der Club größtenteils auf weite Schläge, sodass in der ersten Halbzeit lediglich 7 % der Pässe lang gespielt wurden – ein Wert, den man zuletzt im November unterbot. Vor allem in den ersten Minuten schaffte man es öfter, die Manndeckungen des Gegners für sich auszunutzen und Räume freizuziehen.
Torchancen resultierten daraus jedoch nicht – auch, weil das Spiel nach und nach abflachte und im letzten Drittel auf beiden Seiten wenig passierte. Zwar besetzte man aus dem nominellen 4-2-3-1 heraus das Zentrum durch die technisch starken und im Spielvortrag invers agierenden „Flügelspieler“ Julian Justvan und Rafael Lubach mit viel Personal, fand hier aber selten den freien Mann.
Gut gegen den Ball
Was beim Club jedoch gut funktionierte, war das Spiel gegen den Ball in der ersten Halbzeit. Erneut presste man sehr mannorientiert – und auch mutig, sodass beispielsweise Innenverteidiger Fabio Gruber auf den gegnerischen Flügelspieler Baris Atik herausverteidigte und Nürnbergs Rechtsverteidiger Henri Koudossou auf den Magdeburger Linksverteidiger Lubambo Musonda durchschob.
Die Abstimmung und das Timing, wann man aus dem Verteidigen im Block in die Manndeckung überging, funktionierten gut. Sechs zu zwei hohe Balleroberungen aus Nürnberger Sicht waren die Folge vor der Pause. Zugleich kam Magdeburg zu keiner einzigen Ballaktion im gegnerischen Strafraum – etwas, das ihnen seit dem Wiederaufstieg 2022 nicht passiert war.
Kaum Torgefahr
So war der FCN in den ersten 45 Minuten zwar die leicht spielbestimmende Mannschaft – dennoch sprechen kumulierte 0,18 Expected Goals auf beiden Seiten bis zur Nachspielzeit eine klare Sprache. Nach einem starken Antritt Koudossous nutzte Lubach jedoch kurz vor dem Halbzeitpfiff die Situation zur Führung.
Anderes Spiel
Mit fortlaufender Spieldauer veränderte sich das Spiel. Magdeburg besetzte die letzte Linie mit mehr Personal und drängte den Club weiter in die eigene Hälfte. Auch mit Ball fand der FCN nach und nach weniger Lösungen, um kontrolliert im Ballbesitz zu bleiben. Im zweiten Durchgang wurden 17 % der Pässe lang gespielt – identisch mit dem Wert aus der Vorwoche in Bielefeld. Auch die Spielanteile verschoben sich deutlich, sodass die Gäste in der letzten halben Stunde auf 70 % Ballbesitz kamen.
Gefährlich wurden sie durch bekannte Muster: fußverkehrte Flanken aus dem Halbfeld und Tiefenläufe aus der Halbspur bereiteten dem Club Probleme.
Während man selbst einige Umschaltsituationen ungenutzt ließ, hatte man defensiv diesmal auch das nötige Glück, sodass Torwart Jan Reichert am Ende zum vierten Mal in dieser Spielzeit ohne Gegentor blieb.
Wieder alles gut?
Um von einer nachhaltigen positiven Entwicklung zu sprechen, taugt das Spiel jedoch nicht. Auch wenn man – zumindest intern – die Bewertung der Saison nicht von einer Partie abhängig machen darf, dürfte das anstehende Frankenderby für die Stimmung deutlich mehr Aufschluss darüber geben, wie die Spielzeit insgesamt einzuordnen ist. Dass die vergangenen Wochen spielerisch dann doch oft enttäuschend waren, lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren.


