FCN aufs Verteidigen fokussiert
Besonders ansehnlich war das 1:1-Unentschieden des 1. FC Nürnberg bei Arminia Bielefeld nicht. Mit letztlich unter 40% Ballbesitz beschränkte sich der FCN überwiegend auf das Spiel gegen den Ball. Nichtsdestotrotz sah es bis zur 80. Minute so aus, als könnten die Franken einen Auswärtssieg aus Ostwestfalen mitnehmen, ehe ein Freistoßtor der Gastgeber dies verhinderte. Mit vielen langen und hohen, dementsprechend wenig kontrollierten Pässen zeigte der Club nur wenig von den fußballerischen Ansätzen, die er sich eigentlich auf die Fahne schreibt. Doch führt gerade diese Art von Fußball zum Erfolg?
Kuriose Statistik bei wenig Fußball
Rein statistisch betrachtet: ja. Zum vierten Mal blieb die eigene Passquote in dieser Saison unter 75%. Die Bilanz: zwei Siege, zwei Unentschieden und keine Niederlage. Ähnlich verhält es sich bei der Passlänge. Spielt der FCN mindestens 13% seiner Pässe lang – in Bielefeld waren es rund 19% –, blieb er bislang immer ungeschlagen. In sieben Spielen gab es drei Siege und vier Unentschieden – fünfmal davon in der Rückrunde.
Ohnehin ist seit Beginn der Rückrunde ein klarer Stilwechsel beim 1. FC Nürnberg anhand der Daten erkennbar. In der Hinrunde lag die Passquote noch bei 84% – viertbester Wert der Liga. In der Rückrunde hat sich dieses Bild nahezu ins Gegenteil verkehrt. Mit rund 81% Passquote sind nur noch vier Zweitligisten ungenauer. Dass dies kein „Misserfolgsgarant“ sein muss, zeigen die genannten Statistiken – und auch der FC Schalke 04, der als Tabellenführer die mit Abstand schwächste Passquote aufweist.
Spielweise als Widerspruch?
Mit dem Unterschied, dass sich die Königsblauen ohnehin über ihr intensives Spiel gegen den Ball definieren – im Gegensatz zum FCN. Zwar kündigte Sportvorstand Joti Chatzialexiou im Winter an, „mehr Zweitligafußball“ spielen zu wollen. Dennoch schreibt sich Miroslav Klose weiterhin Ballbesitz auf die Fahne: „Ich sehe ganz klar meine Stärke im Ballbesitz und Lösungen aufzeigen“, sagte der Trainer noch kurz nach seiner Vertragsverlängerung im Februar. Insofern wirkt es überraschend, wie sehr sich dieser Anspruch mit dem aktuell gezeigten Fußball beißt. Eine ausgewogene Mischung aus beiden Elementen – wie etwa gegen Kaiserslautern und Karlsruhe – blieb bislang die Ausnahme.
Keine Identität?
Die Punkteausbeute gibt dieser zuletzt vor allem auswärts gezeigten Spielweise ein Stück weit recht, weshalb man zugespitzt formulieren könnte: Je weniger Fußball, desto mehr Punkte für den FCN. Wie nachhaltig das ist, erscheint jedoch fraglich – zumal die Expected Points darauf hindeuten, dass die Leistungen mit weniger langen Bällen statistisch besser waren und man mit dem destruktiveren Fußball eher überperformte.
Unter dem Strich bleibt derzeit schwer greifbar, wie die Idealvorstellung der Nürnberger Spielweise tatsächlich aussieht. Vom mutigen, innovativen und begeisternden Kombinationsfußball, mit dem man in der Hinrunde der Vorsaison beispielsweise den Hamburger SV im eigenen Stadion dominierte, scheint man sich inzwischen deutlich entfernt zu haben.


