Highlightspiel
Die Vorfreude auf das DFB-Pokalspiel bei Bayer 04 Leverkusen war beim 1. FC Nürnberg groß. „Für uns ist es ein Highlightspiel“, blickte auch FCN-Trainer Miroslav Klose auf das Duell mit dem deutschen Meister von 2024. Gleich drei Wechsel – und damit für seine Verhältnisse relativ viele – nahm der ehemalige DFB-Stürmer in seiner Anfangsformation vor. Andrea Ceresoli, William Boving und Sigurd Haugen standen jeweils erstmals für den Club in der Startelf.
FCN bleibt sich treu
Klose hatte bereits im Vorfeld angekündigt, an seiner grundsätzlichen Herangehensweise nichts ändern zu wollen. Seine Mannschaft setzte das um und suchte von Beginn an selbst die Initiative. Gegen den Ball setzte der Club diesmal vermehrt auf ein 4-4-2 mit Boving und Haugen in vorderster Front, aus dem heraus die Nürnberger ins Mann-gegen-Mann-Pressing übergingen.
Dabei agierten die Franken äußerst mutig. So verfolgte beispielsweise Innenverteidiger Fynn Otto seinen als Zehner aufgebotenen Gegenspieler Tillman immer wieder bis tief in die gegnerische Hälfte.
Daraus resultierten bereits zu Spielbeginn einige Nürnberger Ballgewinne. Gleichzeitig zeigte sich der Club ballsicher und suchte immer wieder die Halbräume, die Leverkusen in der ersten Halbzeit nicht ausreichend verteidigte. Durch gezielte Gegenbewegungen öffneten die Nürnberger dort Räume. Aus einem dieser leitete der FCN auch den Führungstreffer in der 13. Minute ein, den Lubach nach Vorarbeit von Boving erzielte.
Hohe Intensität
Im Defensivverhalten passte der Club einige Abläufe an die Werkself und deren Qualitäten an. Im hohen Pressing rückten die ballfernen Spieler weit ein. Im tiefen Block wiederum unterstützten die Außenspieler konsequent die Defensive, um die Räume am Flügel zu schließen.
So verteidigten Lubach und sein Pendant auf der rechten Seite, Julian Justvan, sehr tief, wenn Leverkusen in der Nürnberger Hälfte den Ball hatte. Bemerkenswert war dabei die Intensität in der Rückwärtsbewegung und das Tempo, mit dem die FCN-Spieler hinter den Ball kamen.
Verdiente Führung
In der ersten Halbzeit schaffte es der Club zudem immer wieder, eigene aktive Phasen herzustellen. Entweder schob man mutig zum Pressing nach oder hielt den Ball in den eigenen Reihen. Dadurch konnte Leverkusen kaum längere Druckphasen aufbauen.
Gleichzeitig bot Bayer vor der Pause keine gute Leistung. Unter anderem verlor die Werkself in der 30. Minute in der Vorwärtsbewegung einen Ball, den der Club konsequent zum nächsten Treffer nutzte.
Der einmal mehr starke Adam Markhiyev schaltete schnell, erkannte die Zwei-gegen-eins-Überzahl von Boving und Haugen und schickte Boving auf die Reise. Dessen Hereingabe an den langen Pfosten vollendete Haugen zum 0:2. Zu diesem Zeitpunkt lagen beide Mannschaften bei den Strafraumaktionen mit 10:10 gleichauf – ein weiterer Beleg dafür, wie gut die Franken bis dahin mithielten.
Halbzeit mit Folgen
Leverkusen wurde aus dem Spiel heraus fast ausschließlich nach Flanken gefährlich, konnte durch das Zentrum dagegen kaum Chancen kreieren. Umso ärgerlicher aus Nürnberger Sicht, dass der 1:2-Anschlusstreffer kurz vor der Pause nach einem Eckball fiel.
Dennoch durfte der FCN auf seine ersten 45 Minuten stolz sein. Gegen den Tabellenvierten der Bundesliga hatte die Klose-Elf eine starke Leistung gezeigt und sich mit einer Führung belohnt. Nach der Halbzeitpause änderte sich die Statik der Partie allerdings merklich. Daran hatten auch die Einwechslungen von Maza und Schick auf Leverkusener Seite ihren Anteil.
Zugriff verloren
In der 49. Minute traf Tapsoba erneut nach einer Ecke und glich zum 2:2 aus. Danach spielte sich die Partie fast ausschließlich in der Nürnberger Hälfte ab.
Der Favorit legte sein Spiel nun deutlich breiter an und agierte fluider als vor der Pause. Die veränderte Raumaufteilung und die häufigeren Positionswechsel erschwerten dem Club den Zugriff. Auf die Rotationen des Bundesligisten fand der FCN kaum noch Antworten, hohe Balleroberungen blieben aus.
Gleichzeitig presste Leverkusen höher und verteidigte deutlich konsequenter nach vorne. Dem Club fehlten nun die nötige Ballsicherheit und Ruhe, mitunter aber auch die passenden Positionierungen und Anspielstationen, um sich zu lösen und den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten.
So ging auch dem 3:2 ein Nürnberger Ballverlust voraus. Die anschließende Aktion endete mit einem zu ungestümen Foul von Alexios Kalogeropoulos an Schick, der den Elfmeter zur erstmaligen Führung Bayers verwandelte.
Diese war mittlerweile verdient: Bis zum 3:2 verzeichnete Leverkusen in der zweiten Halbzeit über 70 Prozent Ballbesitz und ein Verhältnis von 22:0 Strafraumaktionen.
Leverkusen entscheidet die Partie
Mit dem 4:2 in der 78. Minute entschied die Werkself das Spiel. Am Flügel setzte sich Bayer aus Nürnberger Sicht zu einfach durch. García konnte anschließend relativ unbedrängt aus dem Halbraum in die Tiefe starten. Seine Rückgabe verwertete Hofmann mit einem Abschluss aus der Distanz.
Auch der Treffer zum 5:2-Endstand hatte seinen Ursprung in einem Eckball. Nach einem zunächst abgewehrten Ball traf Rechtsverteidiger Lucas Vázquez sehenswert.
Richtig einordnen
Trotz des am Ende deutlichen Ergebnisses muss sich der Club für seinen Auftritt nicht schämen. Gerade die ersten 45 Minuten, in denen die Franken dem großen Favoriten über weite Strecken mindestens ebenbürtig waren, verdienen Anerkennung. Dazu kam die nötige Effizienz von zwei Toren aus zwei Schüssen, mit der sich der FCN die zwischenzeitliche 2:0-Führung erarbeitete.
Nach der Pause zeigte Leverkusen allerdings seine Qualität und stellte Nürnberg vor Probleme, die der Club nicht mehr lösen konnte. Der fehlende Zugriff gegen den Ball und die ausbleibende Entlastung mit Ball sorgten dafür, dass der Druck des Bundesligisten immer größer wurde.
Ärgerlich bleibt dennoch vor allem die Entstehung der Gegentore. Schließlich hatte Bayer in der bisherigen Bundesligasaison sämtliche 16 Treffer aus dem Spiel heraus erzielt und als eines von zwei Teams noch kein einziges Mal nach einem ruhenden Ball getroffen.
Gegen Nürnberg fielen dagegen die ersten beiden Tore direkt nach einer Ecke, das dritte per Elfmeter und das fünfte nach einem zunächst abgewehrten Eckball. Vier der fünf Gegentreffer gingen somit auf Standardsituationen oder deren Folgeaktionen zurück.
Der FCN kann aus Leverkusen dennoch eine starke erste Halbzeit mitnehmen. Nun gilt es, daran beim Auswärtsspiel am Sonntag beim FC St. Pauli anzuknüpfen. Dann laufen auf der Gegenseite auch keine Spieler wie Maza, Schick oder Vazquez auf – der nicht zufällig 402-mal für die Profis von Real Madrid auflief und mit diesen fünfmal die Champions League gewann.


