FCN mit wenig Zugriff auf zweite Bälle
In einem 4-2-3-1 schickte Miroslav Klose seine Startelf in den ersten echten Härtetest der Vorbereitung gegen den Drittligisten Waldhof Mannheim. Nach den ersten beiden 30-Minuten-Abschnitten stand es in Roth 1:1, am Schluss reichte es letztlich zu einem 3:2-Sieg.

Den deutlich besseren Start erwischten die Kurpfälzer. Der FCN war zu wenig gallig in den Duellen um zweite Bälle und bekam gleichzeitig im 4-4-2 gegen den Ball kaum Zugriff auf den gegnerischen Spielaufbau. Dadurch verlagerte sich das Geschehen häufig in die Nürnberger Hälfte. Immer wieder attackierten die Gäste mit langen Bällen hinter die Kette. Bereits nach vier Minuten hätte der Club nach einem Ballverlust des linken Innenverteidigers Styopa Mkrtchyan in Rückstand geraten können, acht Minuten später vergaben die Mannheimer die nächste gute Möglichkeit, nachdem die Klose-Elf eine Freistoßflanke unzureichend verteidigt hatte.
Offensive wirkt wie ein Fremdkörper
Nur wenn die Nürnberger Offensivspieler einmal rochierten oder Zehner Finn Becker aufdrehen konnte, wurde es zumindest ansatzweise gefährlich. Ansonsten wirkte der häufig auf die Außenverteidiger gelenkte Spielaufbau ideenlos und wenig zielstrebig.
Die gesamte Offensive wirkte noch wie ein Fremdkörper. Sigurd Haugen, der zunächst als Stürmer begann, hatte sowohl mit Ball am Fuß als auch in seiner Positionierung noch Probleme. Auch bei den beiden Flügelspielern – wobei Rayan Ghrieb auf rechts deutlich inverser agierte als Can Moustfa auf links – mangelte es trotz einer hohen Aktivität zu häufig an einer sauberen Ballannahme und präzisen Zuspielen.
Dem FCN war nach den ersten 30 Minuten anzumerken, dass er sich noch mitten in der Vorbereitung befindet – auch wenn der Gegner seinem Saisonstart ebenfalls nur zwei Tage näher ist.
Verbessertes Anlaufen und hohe Ballgewinne
In den zweiten 30 Minuten, in denen Adriano Grimaldi für Finn Becker kam und Haugen hinter die Spitze rückte, präsentierte sich der Club verbessert. Das Anlaufen wirkte besser abgestimmt, wodurch Mannheim seltener kontrolliert in die Nürnberger Hälfte kam.
Dennoch gehörten die besseren Chancen zunächst weiter dem Drittligisten. Nachdem ein Fehlpass von Rechtsverteidiger Giannis Masouras zunächst folgenlos geblieben war, fiel zwölf Minuten später doch das 0:1. Nach einer Flanke aus dem rechten Halbraum verschätzte sich Innenverteidiger Alexios Kalogeropoulos im Zentrum, Torhüter Jan Reichert konnte den gegnerischen Kopfball nicht mehr um den Pfosten lenken.
Der Gegentreffer fiel ausgerechnet in eine Phase, in der der Club besser ins Spiel gekommen war. Nach einem tiefen Ballverlust der Mannheimer sorgten zuvor ein Distanzschuss von Ghrieb und anschließend Kalogeropoulos nach einer Ecke für die ersten echten Nürnberger Chancen.
Masouras verlieh dem Nürnberger Spiel über rechts nun immer wieder Tiefe und brachte mehrere gefährliche Hereingaben in den Strafraum. In der 55. Minute war es schließlich ein hoher Ballgewinn, den Verbindungsspieler Javier Fernandez eiskalt zum 1:1 nutzte.
Gerade bei einer Elf mit mehreren neuen Offensivspielern und einer noch wenig eingespielten Viererkette wurde deutlich, dass die Abläufe noch nicht vollständig greifen. Youngster Marc Kornwachs überzeugte vor allem am Ball mit seiner Ruhe und Pressingresistenz als tiefster Mittelfeldspieler.
Technisch sauberere Elf nach der Pause
In der zweiten Hälfte der insgesamt 120 Minuten wurde sichtbar, dass die an diesem Tag technisch stärkere Nürnberger Elf auf dem Platz stand. Auch sie agierte im 4-2-3-1.

Vor allem Innenverteidiger Fynn Otto und Sechser Adam Markhiyev brachten mit ihrer Passschärfe deutlich mehr Diagonalität und Progressivität ins Nürnberger Spiel. Häufig wurde die linke Seite gesucht, auf der sich Mohamed Ali Zoma äußerst dribbelfreudig präsentierte und immer wieder den Weg in den Strafraum suchte. Dabei profitierte der Italiener auch von Rafael Lubach, der häufig als umtriebiger Verbindungsspieler im linken Halbraum auftauchte und Räume öffnete.
Trotzdem ging Mannheim in der 64. Minute erneut in Führung. Schlussmann Robin Lisewski versprang ein Rückpass seines Verteidigers, Terrence Boyd musste anschließend nur noch ins leere Tor einschieben.
Dribbelfreudiger Zoma
Davon ließ sich der Club jedoch nicht beeindrucken. Fast im direkten Gegenzug nahm Zoma einen scharfen Diagonalball von Otto auf der linken Seite stark mit. Nach einem dynamischen Antritt bediente der 22-Jährige den einlaufenden Piet Scobel flach, der den Ball trotz Gegenspielers stark verarbeitete und in der 66. Minute im Stile eines Mittelstürmers eiskalt mit links zum 2:2 vollendete.
Der FCN suchte nun immer wieder die starke linke Seite. Der links verteidigende Von der Hitz rückte häufig in den Halbraum ein und öffnete dadurch die Außenbahn für Zoma. Auf der rechten Seite trat Justvan als inverser Flügelspieler dagegen deutlich seltener in Erscheinung, vergab kurz vor Ende des dritten Viertels allerdings eine große Chance, die er selbst stark eingeleitet hatte.
Neben der höheren technischen Qualität kam die zweite Elf auch früher in die direkten Duelle und provozierte dadurch immer wieder Ballverluste.
Viele Chancen – vergebener Elfmeter
Nach der letzten Pause, in der Probespieler Miguel Hurtado für Fynn Otto die Linksverteidigerposition übernahm, ging der FCN erstmals in Führung. Nach starkem Gegenpressing bediente Markhiyev Scobel, der in der 93. Minute erneut cool blieb und zum 3:2 einschob.
In der Folge erspielte sich Nürnberg weitere gute Möglichkeiten – erneut vor allem über die starke linke Seite, aber auch über den sich geschickt zwischen den Linien bewegenden Zehners Marko Soldić, dessen Folgeaktionen allerdings nicht immer sauber ausgespielt wurden.
Gleichzeitig verteidigte der Club einige Situationen weiterhin zu sorglos und agierte im Pressing nicht durchgehend intensiv genug. Dadurch fand auch Waldhof immer wieder Räume – häufig hinter den beiden Außenverteidigern.
In der 114. Minute konnte Zoma nach mehrmaligem Nachsetzen im Strafraum nur per Foul gestoppt werden. Den fälligen Elfmeter setzte Lubach allerdings über das Tor. Es war die größte von mehreren guten Nürnberger Chancen – unter anderem traf Innenverteidiger Khalid Abu El Haija sehenswert per Freistoß die Latte –, mit denen das Ergebnis noch deutlicher hätte ausfallen können.
4-2-3-1 und viele Eins-gegen-eins-Situationen
Am Ende steht im ersten Härtetest der Vorbereitung ein 3:2-Erfolg über Waldhof Mannheim. Vor allem der ersten Elf, die nur mit wenigen Stammspielern der Vorsaison besetzt war, fehlten noch Abstimmung und Automatismen. Mit der zweiten Elf wurde das Spiel strukturierter.
Derzeit scheint das 4-2-3-1 die bevorzugte Grundordnung von Miroslav Klose zu sein. Auffällig war dabei vor allem die unterschiedliche Rollenverteilung auf den Flügeln, auf denen immer wieder das Eins-gegen-eins gesucht wurde.
Nun geht es für den FCN ins Trainingslager nach Südtirol vom 19. bis 26. Juli. Dort kann – und muss – weiter an Fitness, Abstimmung und den mannschaftlichen Abläufen gearbeitet werden.


